Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Die Synagoge in Sillein
- Date
- 1931-11-01
- Page
- 525 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SYNAGOGE IN SILLEIN Von der neuen Synagoge in Sillein ist liier schon einmal die Rede gewesen. Das war. als wir die Entwürfe Josef Ilofl'manns, eine Kelle von lland/.eichnungen, in unserer Zeitschrift veröiTenllicht haben. Dabei war auch die Geschichte dieser Synagoge schon einigermaßen erzählt worden, .letzt soll sie — in neuer Beleuchtung — kurz wiederholt werden. Es war in Sillein ein engerer Wettbewerb ausgeschrieben worden. Nur drei Künstler waren geladen: Peter Hehrens aus Berlin. Josef Holl'- mann aus Wien und ein Architekt aus Budapest. Die schöne und bedeutende Menge jüdischer Architekten blieb ausgeschaltet. Warum -— das scheint auch heute noch kaum versländlich. Und ist doch leicht zu erklären. Die Kullusräte von Sillein mochten der Meinung sein, daß sie durch die Heranziehung von drei namhaften und bewährten Künstlern von vornherein der Gefahr eines Irrtums oder auch nur eines Experimentes aus dem Wege gingen, eine Gefahr, die hei einer Teilnahme junger und moderner Kräfte an der Konkurrenz selbstredend gegeben war. Die Vorsieher von Sillein wollten nichts wagen, denn sie fürchteten, zu verlieren. Aber sie haben damit auch die Chance aus der Hand gegeben, etwas ganz Neues, Jugendliches und Lebendiges zu gewinnen. Das spricht nicht ohneweilers gegen sie. Denn sie mögen ja infolge eines besonderen Pflichtgefühls gegenüber ihrer Gemeinde so überaus vorsichtig gehandelt haben. Aber die Sache hat auch ihre Kehrseite. Es gibt auch Pflichten gegenüber den größeren Kreisen von Volk und Kultur. Wie soll die Entwicklung der jüdischen Kunst in ihrer hochbegabten Gegenwart gedeihen, wenn man ihr Aufgaben von solcher Seltenheit und Bedeutung vorenthält? Wie kann sie sich richtig entfalten, wenn man ihr nicht Gelegenheit gibt, sich zu versuchen? Man darf mich nicht mißverstehen. Natürlich geht, was von uns gesagt wurde, nicht gegen den Bau von Peter Behrens, der aus dem Wettbewerb als Preisträger hervorgegangen ist. Wir wollen uns einmal denken, daß auch bei einer offenen, für eine große Zahl jüdischer Baumeister zugänglichen Konkurrenz, das Ergebnis das gleiche gewesen, also wiederum Behrens der Sieger geworden wäre. Trotzdem wäre es nicht dasselbe gewesen. Oh. bei weitem nicht! Denn nun hätten wir eine Eülle neuer Entwürfe, neuer Formen, neuer Gedanken zu sehen bekommen. Daß die Bauherren von Sillein davon keinen Gebrauch gemacht, ja. daß sie sie verworfen hätten, hat nichts zu sagen. Denn das wäre ja wiederum nur die lokale Ansicht der Sache gewesen. Aber