Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Don Joseph Nassi, Herzog von Naxos
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 517 (sequence 18)
- Language
- German
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- Safed 1× ep/1046078
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DON JOSEPH NASSI, HERZOG VON NAXOS 517 schönen grauen Bart haben, um Eindruck zu schinden — und diesem Pseudodiplomaten unter Todesdrohung aufzutragen, in Constantinopel nur das zu sagen, was man ihm eintrichtere. Leider erfuhr Joseph von dem schönen Projekt, und es gelang ihm, den Sultan davon zu überzeugen, daß er ihm immer treu gedient habe, daß die Anklage Verleumdung sei und Daout ins Exil gehöre. Daout wurde nach Rhodos verbannt und außerdem von den Rabbinern Constantinopels excommuniciert. Die Rabbiner der anderen großen Gemeinden schlössen sich der Entscheidung Constantinopels an. Der Herzog trieb aber die Gewissenlosigkeit so weit, daß er später, als er seinen ehemaligen Freund Daout aus geschäftlichen Gründen wieder rehabilitieren wollte, von denselben Rabbinern die x\ufhebung der Excommunicierung verlangte. Diesmal aber zeigten sie sich standhaft. Die Rabbiner von Constantinopel, Saloniki, Safed, Alexandrien und Cairo schlugen das Verlangen Josephs ab, da das damalige Anathema durch schwerwiegende Gründe veranlaßt war. Nur die Rabbiner von Rhodos und zwei weitere Rabbiner zogen die Excommunicierung zurück. Joseph hatte den willensschwachen Sultan Selim bereits unter seinen Einfluß gebracht, als dieser noch Thronfolger war. Vor allem malte Nassi dem Prinzen das venetianische Cypern als das Paradies der Wollust, in leuchtenden Farben schilderte er die unendlichen Ströme cyprischen Weins, er erzählte von den Reichtümern der Insel, von den Kupfergruben, die dem Prinzen die ewig fehlenden Dukaten in Hülle und Fülle bringen würden. Als eines Tages die Sinne des Prinzen mehr denn je vom Alkohol umnebelt waren, schwor der bezechte Thronfolger, daß Joseph König von Cypern werden solle, falls die Insel in türkischen Besitz käme, Nassi sah das Versprechen schon in die Tat umgesetzt, er ließ in seinem Palast das Wappen Cyperns anbringen mit der Inschrift: „Joseph, König von Cypern." Die christlichen Herrscher venetianischen Ursprungs auf den östlichen Mittehneerinsein waren der Pforte von jeher ein Dorn im Auge. Andros, Santorin, Chios wurden in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts den kleinen Fürsten durch die Türkei abgenommen, auch Naxos büßte seine Selbständigkeit bereits 1527 ein, sein Herrscherhaus wurde jedoch als Titularherzöge auf der Insel gelassen, bis es der weniger unerwünschte Jude Nassi ablöste. Um Cypern anzugreifen, die Hochburg der Venetianer, fühlte sich die Türkei nicht stark genug, sie war durch Kriege in Persien, Ungarn, auf der arabischen Halbinsel