Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Dr. Arthur Schnitzler
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 496 (sequence 6)
- Language
- German
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496 MENORAH Das Problem des künstlerischen Schaffens beschäftigte Schnitz ler sehr nachhaltig. Auch hier übte der medizinische Denker Einfluß. Der Nachlaß enthält eine Arbeit „Zur Psychologie und Pathologie des Schaffens'*. Bei solcher gedanklichen Einstellung ist es selbstverständlich, daß der Dichter sein eigenes Schaffen sozusagen täglich unter Beobachtung nahm. Die Notizen und Entwürfe zu allen seinen Werken gehen bis auf die früheste Zeit zurück. Schnitzler hielt jeden Einfall sofort schriftlich fest, katalogisierte und schematisierte Namen, Titel, Situationen, um sie dann — oft erst viele Jahre später — zu verwenden. Er diktierte täglich seiner Sekretärin in die Maschine, was er von seinen Entwürfen ausführte. Die Notizen selbst sind durchwegs handschriftlich. Und alle diese Aufzeichnungen wurden sorgsam geordnet: sie sind in geradezu gewaltiger Fülle vorhanden. Auch von dem was bereits vollendet war, hat Schnitzler nicht alles veröffentlicht. Dies gilt vor allem für die Jugendarbeiten, an deren Umarbeitung der Dichter übrigens in den letzten Jahren viel Liebe verwandte, ohne sie jedoch aus seiner Schreibtischlade zu entlassen. Aber auch Späteres bereits Vollendetes blieb oft jahrelang, oft gänzlich liegen. So schrieb Schnitzler in den letzten Jahren eine Studie über das Duell", die er nicht publizierte. Es sind auch unveröffentlichte Aufzeichnungen über den Krieg unter dem Titel „Und einmal wird der Friede wiederkommen" vorhanden. Von dem, was der Dichter in die Welt sandte, standen ihm die dramatischen Schöpfungen scheinbar am nächsten. Er achtete auch mit größter Sorgfalt und wirklicher künstlerischer Einfühlung in das Wesen des Theaters auf ihre Aufführung. Zeitlebens sprach er auch mit größter Verehrung von Brahm und Schienther, bei denen seine Theaterstücke das größte Verständnis gefunden hatten. Unter den Gestalten seiner Dramen war der junge Medardus seine Lieblingsfigur. Überdies hatte der Dichter ein Sorgenkind, die Szenenreihe „Reigen'4. Er hing an diesen vielumstrittenen Dialogen wie ein Vater. Daß der „Reigen4' als pornographisches Werk angesehen wurde, erregte stets bei Schnitzler heftigen Zorn. Er bezeichnete die Hetze gegen den Reigen" als ,,Verlogenheit, Büberei und Dummheit, die von politischen Hetzern geführt oder wenigstens geschürt wurde". In brieflichen und mündlichen Verhandlungen, die einige Jahre währten, bemühte sich der Dichter, die Aufnahme des „Reigen" (von dem bereits hundert Auflagen anderswo erschienen waren) von der hundertsten Auflage an, in die Einzelausgaben seiner gesammelten