Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Dr. Arthur Schnitzler
- Date
- 1931-11-01
- Page
- 491 (sequence 1)
- Language
- German
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DR. ARTHUR SCHNITZLER Beobachtetes und Erlebtes Es gibt Menschen, die keine Feinde haben. Ein solcher war Arthur Schnitzler. Sein Wesen hatte etwas merkwürdig Unangreifbares, Dies erstreckte sich bis in sein Werk. (Diese Bemerkung wird hier eingeschaltet, obwohl diese Zeilen nicht beabsichtigen etwas über das Werk auszusagen, sondern nur versuchen wollen Konturen des Menschen Schnitzler zu ziehen.) Im Grunde seines Wesens war Schnitzler durchaus metaphysisch eingestellt und hat sich bemüht, sein Wissen um den Menschen so viel als möglich unter einem Schleier zu verbergen. Das Charmante, Liebenswürdige, das so gerne bei einer Charakterisierung seiner Kunst hervorgehoben wird, war eigentlich nicht der Grundzug seines Wesens, vielmehr die Metaphysik, das Wissen um sich und um das Geschehen, das sich rings abspielt. Dies schuf nicht nur um Schnitzlers Kunst, sondern auch um sein Leben einen eigenartigen Dämmer. Immer schien es als wüßte Schnitzler mehr, als er gab. Dieses Mehrwissen beruht auf dem tiefen Durchdrungensein von dem Walten einer Macht, welche die Schicksale der Menschen logisch zwingend beeinflußt. Eigentlich war Schnitzler ein schwerblütiger und schwermütiger Pessimist. Dazu mag seine Herkunft vom Ärztestand viel beigetragen haben. Sohn eines bekannten Wiener Arztes hat Schnitzler sich seit je zum ärztlichen Wissen — nicht zum Berufe — hingezogen gefühlt. Es ist nicht uninteressant, daß er während seiner Tätigkeit als Arzt neben einem Laryngologischen Atlas, den er zusammen mit seinem Schwager, dem bekannten Kliniker Prof. Hajek, herausgegeben hat und der noch heute als wertvoller Behelf gilt, eine Arbeit über die Aphonie veröffentlichte und sich mit der Anwendung der Hypnose zu Heilzwecken befaßte. In Arthur Schnitzler ist das Gefühl für die Familie stets lebendig gewesen, Frau und Kindern galt die erste Sorge. Innige Freundschaft verband ihn mit seinem Bruder, dem Chirurgen Hofrat Prof. Julius Schnitzler, der den Namen der Familie in der Wiener medizinischen Schule würdig vertritt und seiner Schwester Gisela. Richard Beer- Hofm a n n und Hugo von Hofmannsthal, Gefährten seiner Jugend, standen ihm als Freunde am Nächsten. Eine einfache Lebensweise mit Behaglichkeit gepaart, bürgerliche Regelmäßigkeit kennzeichnete die Lebensführung Schnitzlers, von dem es soviele lebe-