Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1931-11-01
- Page
- Seite 490 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912915-2927513--10801-2927627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
490 MENORAH und die jungen Arbeiter haben sich auf der Veranda versammelt. Die Germania mit Schild und Schwert hat soeben ihren sozialistischen Abendsegen beendet und zwei Burschen geben ein wirklich meisterhaftes Konzert auf der Guitarre. Schluchzend beginnt es: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" und geht in einen lustigen Walzer über, zu dessen Takt die blonde Tänzerin über die Veranda schwebt. Die Italienerinnen haben sich versteckt, da sie sonst ununterbrochen den anderen ihre Lieder vorsingen müssen. Aber die jüdischen Mädchen wissen ein Mittel, sie nervo rzulocken: sie singen das „Lied von den Margueriten". Sofort fallen die italienischen Stimmen in das jüdische Lied ein. „Wenn wir die Italienerinnen holen wollen, singen wir das ,Lied von den Margueriten4. Da halten sie es nicht mehr aus — sie m ü s s e n kommen und mitsingen, so sehr lieben sie dieses jüdische Liedchen" — erzählen mir die anderen Mädchen lachend. J_js war schon sehr spät und dicht lag die IN acht über dem Walde, als die Mädchen mich bergab zur Stadt geleiteten. Eine Laterne lief uns voraus und beleuchtete die zwei Guitarrespieler, die mir einen jüdischen Hochzeitsmarsch aufspielten. Ich war von Mädchen umringt und hatte manchmal das Empfinden, ich hätte mich im Wald verirrt und sei in die Gewalt von Wald- und Bergnymphen geraten, die mich tief in den Wald locken, um mich in einen Satyr zu verwandeln und mir die schönste von ihnen zur Frau zu geben .. . Keine Angst — ich fand mich bald nicht im tiefen Wald, sondern in meinem Zimmer, und nahm die dankbare und angenehme Erinnerung an das Unity-Heim mit, das den Weißnäher-Mädchen so viel Gutes schenkt.