Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1931)
- Article
- Quer durch Amerika
- Date
- 1931-11-01
- Page
- 483 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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MENORAH IX. JAHRGANG NOVEMBER/DEZEMBER 1931 NUMMER 11/12 QUER DURCH AMERIKA Eindrücke einer Reise Von Schalom Asch Autorisierte Übersetzung von Siegfried Schmitz Nachdruck, auch auszugsweise, verboten L Ein Fleckchen grüner Rasen In Amerika ist es jetzt Mode, die Reise über den Ozean zu machen, um das Nachkriegseuropa zu besichtigen. Ich habe es vorgezogen, Amerika selbst zu durchqueren, um das Leben im Lande kennenzulernen, vor allem das der Juden — denn auch außerhalb New-Yorks wohnen Kinder Israels. So begab ich mich denn auf eine lange Fahrt über ungeheure Ebenen, Wüsten, Gletscher und Felsen — mit einem Wort: ich suchte Amerika in Amerika. Zunächst ging es eine ganze Nacht durch sorgfältig bearbeitete Äcker mit schnurgeraden Streifen ans grünendem Korn und kräftig aufgeschossenem Hafer. In der Dunkelheit spürte ich sie mehr als ich sie sah. Und ich wußte: unter der schwarzen Decke, in die jetzt die Welt gehüllt ist, sind Felder versteckt; der Mensch hat seine Arbeit der Nacht anvertraut und ist sicher, am nächsten Tage seine Felder, mit Speise und Trank der Nacht gestärkt, wiederzufinden. Als ich am nächsten Morgen erwachte, fand ich mich am sandigen Ufer des Erie. Die Landschaft erinnerte mich an die bei der Weichsel in meiner polnischen Heimat. Ein sandiges Ufer am Rande des schmutziggelben Stromes, da und dort erhebt sich starr eine einsame grüne Pappel. Die gelben Straßen sind schütter mit Weiden bestanden, die ihre langen Äste wie Mädchenzöpfe von Sonne und Wind umspielen lassen. Hie und da taucht ein Häuschen auf mit weißen Mauern. Apfel- und Pflaumen gärten weit vor und hinter den Häusern, ganz wie in Polen. Nur eines fehlt — die armen Bauernkinder, die in Polen sich wie Ferkel vor den Hütten im Staub und Schmutz umherwälzen. Die Kinder, die ich hier auf der Dorfstraße traf, waren rein gewaschen und sauber gekleidet, trugen weiße Schürzen und gingen,