Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1931)
- Article
- Einiges über die Agrarreform und die Juden in Polen
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 452 (sequence 2)
- Language
- German
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4f>2 M E N 0 R A H Wirtschaften, die von der Agrarreiorm Nutzen ziehen. Diese ZillVrn charakterisieren deullieh die Perspektiven der Agrarreform für die Landbevölkerung Polens: Die Agrarreform wird nicht einmal im kleinsten Ausmaß die schon von früher her landlose Bevölkerung befriedigen können, aber auch nicht diejenigen Landarbeiter, die durch die Parzellierung der großen (iiiler frei werden. Aber noch mehr — die Tendenz der polnischen Agrarreform, gehl dahin, die Not der bisherigen Kleinwirlscha Heu zu belieben, die infolge des geringen Bonlenausinaßos keine rationelle Wirtschaft, führen konnten und dadurch zum Untergang verurteilt waren. Die Schaffung neuer Wirtschaften in großer Zahl tritt daher in die zweite Beilie. Der bekannte Nulionalökonom St. Gra b s k i hat über die Durchführung der Agrarreform erklärt: ,,Die Lösung des Agrarrelorinprohleins in Polen liegt darin, daß mindestens 20% der landwirtschaftlichen Bevölkerung in die Städte, zu Handel und Handwerk übergehen.'1 Dabeisind die Aussichten für die; .luden, in kleinerem oder größerem Maße von der Agrarreform Nutzen zu ziehen, mehr als illusorisch. Das Agra.rrei'ormgesetz gibt übrigens den Personen, die nicht bisher von der Landwirtschaft gelebt haben, gar nicht die Möglichkeil, von der Agrarreform Nutzen zu ziehen. Davon kann nur die llede sein bei dem Teil der Bevölkerung, der schon, lange vor dem Kriege landwirtschaftlich tüitig war. Lauf der Volkszählung des Jahres 1.921 ist nun die soziale Struktur der j ü d i s e h en 1 a n dw i r 1 s c h a f L l i c h e n B e v ü 1 k c r u n P o 1 e ii s folgende: Von der L a n d \v i r ls c Ii a i l lebten in Polen 159.147 .1 u d e n. Davon waren 89.987 berufstätig und zwar selbständig 21.970 (27-7%), Arbeiter und Hausier 4900 (10-5%), geistige Arbeiter 202a (2,2/^), mitlätige Familienmitglieder 35.531 (59«5%). Dabei muß berücksichtigt werden, daß in der Zahl der ..Selbständigen" die 3 11 j ü d i s c h e n G r o ß g r u n d b c s i t z c r enthalten sind, die über Wirtschaften von jnehr als 50 1m verfügen und insgesamt 1 («2.301 ha in Besitz hatten, von denen etwa 1 17.000 ha d e r P a r z el I i e r u n g anheimfallen. Aus diesen Zill'ern geht hervor, du Ii der größte Teil der jüdischen Bevölkerung auf dem Lande in Polen über keine bedeutenden Bodenflüchen verfügt. Die Agrarreform hätte daher auf diese Bevölkerung Rücksicht nehmen und ihr die entsprechenden Hodenllächen zuweisen sollen. Aber bisher haben die Juden von der Beform wenig Nutzen gehabt, im Gegenteil -- die Tendenz der staatlichen Agrarinstitule gehl dahin, die Juden auf jede mögliche Weise zu zwingen, daß sie -- im Hinblick auf die sogenannt <■ ..Überfülle" an Zweigwirtschaften, die sieh in der Nähe ihres Besitzes befinden --- ihre bisherigen Erwerbsslätlen verlassen. Wohl erhüll der jüdische Landwirt Bezahlung für den Boden, den er aufgibt, doch ein neues Grundstück zu erwerben, auch weil entfernt von seinem bisherigen Wohnsitz, ist ihm unmöglich, und der Bauer, der eine, größere Wirtschaft besitzt und ein Stück Land braucht, das an sie angrenzt, hat immer den \ orzug. Wie klein die Zahl der j ü d Is c h e n 1 a n d w i r t s c b a f I 1 i c b e n A rbeiter ist, denen in den Jahren 1924, 192 5 und 1920 die Agrarreform zugute kam. beweisen die folgenden Ziffern des .,Amlliehen statistischen Jahrbuches" für 1928: Im Jahre 1924 gab es insgesamt 30.071 Besitzer neuer Wirtschaften, darunter 125 Jude;-. (iYA-'/o'}; im Jahre 1925 wurden weiter-. 20.-170 Personen Besitzer neuer Wi rlscha! Ion. danieder 79 Juden (0-3?/,), für das Jahr 1920 lauten die Ziffern: 50.739 Personen, die neue Wirtschaften besitzen, darunter -HU Juden (0-S/r). Von diesen Juden erhielten übrigens durch private Institute <89 (von P25) im Jahre 192b 53 (von 79) im Jahre 1925 und •1-30 (von 404) im Jahre 1920 ihre Wirlschalen zugewiesen. Diese Zi Hern zeigen am besten, daß nichts zu erwarten ist. Ich bin jedoch der Ansicht, daß durch eine richtige A u f k 1 ä r u n g s a k t i o n unter den jüdischen Großgrundbesitzern, die ohnedies ihre Güter parzellieren müssen, manches erreicht werden könnte, indem auf diesem Besitz jüdische Kleinbauern nngcsiedell werden