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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 434

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Der Taschenspiegel
Date
1931-09-01
Page
Seite 434 (sequence 4)
Language
German
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434 ME N O RAH Es war der liebe, gütige Reb Moische, der Wanderlehrer für Hebräisch, der jetzt beim Tor stand und sich verschmitzt lächelnd die Pajes drehte. Er empfand eine ausgesprochene Zuneigung für dieses schlimme Mädel, das es all die Jahre hindurch so gut verstanden hatte, seinen Lektionen sorgfältig aus dem Weg zu gehen. ,.Du weinst, weil Du nicht nach England gehen kannst." ..Ja, Reb Moische. Esther Platski fährt jetzt nach London zu ihrer Tante, die dort eine Schneiderei betreibt und hat mich aufgefordert, mit ihr zu kommen. Ich kann sehr gut nähen und könnte leicht Arbeit, linden." ,.Ja. bei Esther Platski wärst Du in guter Hut", murmelte er nachdenklich in seinen Bart. ..Aber ich habe kein Geld für die Reise. Ich . . ." Gintel kam. den Zorn im Gesicht, aus der Stube, in der sie über den Klageliedern Jeremias, ihrem einzigen Trost in diesen bösen Tagen, gebrütet hatte. Reb Moische erklärte ihr auf der Stelle den Zweck seines Besuches: Seit sieben Jahren, wie er ihr in Erinnerung brachte, hatte er ihre drei Töchter im Hebräischen zu im 1errichten, wofür er wöchentlich dreißig Kopeken erhielt. Dieses schlimme Mädel aber - er zupfte Rahel dabei zum Spaß am Ohrläppchen - habe nicht eine einzige Lektion genommen, so daß ihm jede Woche unberechtigterweise zehn Kopeken zu viel bezahlt worden seien. Deshalb habe er auch die ganzen Jahre hindurch dieses Geld für Rahel bei Seite gelegt —- er lasse sich davon nicht abbringen, daß es ihr gehöre. Nachdem sie einmal die Gegenleistung für das Geld nicht erhalten habe, sei sie selbstverständlich dessen rechtmäßige Eigentümerin. JCjine Woche später schon sagte Rahel ihrer Familie Lebewohl, während der Wagen vor der Türe wartete. Ginlei küßte mit tränenüberströmtem Gesicht ihr Kind leidenschaftlich ah. Dabei aber war es in Wirklichkeit der verlorene Schwiegersohn, der Bocher, von dem sie im Geiste so kummervoll Abschied nahm. Die letzte, der Rahel Adieu sagte, war Myrra, die Zweitälteste, ihre Lieblingsschwester. Und während sich die beiden umarmten, ließ Rahel etwas Glitzerndes in Myrras Hand gleiten. Es war der kleine Taschenspiegel, den sie in Kowno für drei Kopeken gekauft hatte. Aus dem Englischen übertragen von Dr. Alfred N c u'ma nn

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