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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 427

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
An der Schwelle einer neuen Zeit
Date
1931-09-01
Page
Seite 427 (sequence 9)
Language
German
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SEM AR JA LEVIN 427 und wurden zaghafter. Die Reihe der russischen Siege hatte allgemeine Begeisterung geweckt, und der aufsteigenden patriotischen Welle gegenüber fiel es ihnen schwer, ihre Stellung zu behaupten. Es gab aber auch ein paar eingelleisehte und zähe „Türken". Sie erkannten an, daß sie dem jüdischen Gesetz nach verpflichtet waren, für den russischen Sieg zu beten, konnten es aber nicht über sich gewinnen, Gott um die Niederlage der Türken zu bitten. Ein tragischer Konflikt entstand in ihren Herzen. Sie wären froh gewesen, wenn der Krieg mit einem Patt geendet hätte. Und Golt erhörte ihr Flehen. Der Berliner Friedensvertrag reduzierte den russischen Sieg tatsächlich auf ein Patt. Ich wurde von den Wogen der Begeisterung mitgerissen, und mein russischer Lehrer tat sein Möglichstes, meinen Elan zu steigern. Doch nicht in Gebeten äußerte ich meine heißen Wünsche für den Triumph Rußlands, sondern im Lied — im hebräischen Lied, denn unter dem Einfluß des russischen Sieges begann ich hebräische Gedichte zu verfassen. Ich legte meine ganze Seele in jene kindlichen, unbeholfenen hebräischen Verse. Urplötzlich wurde ich ein feuriger russischer Patriot und begann sogar Interesse an meinen Sprachstudien zu nehmen. Ich muß mindestens zehn Gedichte auf Skobelew verfaßt haben, einer der Verse ist mir noch im Gedächtnis: A u f, S k o 1) e 1 e w, f ü h r e deine G e f a n g e n e n, Sohn D i m i t r i s! .. Ich hatte ihn Wort für Wort aus dem ältesten hebräischen Gedicht, dem Lied Deborahs, entnommen: A u f. 13 a r a k, f ü h r e d e i n e G e f a n g e n e n, S o h n A b i n o a ms... Mit einem Vers des ältesten, schönsten und gewaltigsten Liedes der Hebräer leistete ein Chederjunge von Swislowitz die erste Rate seiner Schuld an die große slawische Nation. Unter den Forts, die den Weg nach Moskau vom Westen abschneiden, nahm die Festung Bobruisk ehemals den ersten Platz ein. Mit dem Bau der Warschau-Moskau-Eisenbahnstrecke verlor Bobruisk seine strategische Bedeutung, und Brest-Litowsk trat an seine Stelle. Seit dieser Zeit diente Bobruisk nur noch als militärisch-administratives Zentrum und als Basis für Manöver, Bobruisk konnte daher zum Konzentrationslager für gefangene Türken gewählt werden. Als aber die Zahl der Gefangenen täglich anwuchs, reichte die Festung bald nicht mehr aus. Die Militärbehörden begannen eine Anzahl Türken linier die Bevölkerung zu verteilen, und als dann Bobruisk gesättigt war, wurden auch die umliegenden Städte und Dörfer herangezogen. Auf diese Weise hatte Swislowitz den Vorzug, gegen zweihundert echte Türken zu beherbergen, die unter die Juden und Nichtjudeii des Ortes gleichmäßig

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