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Menorah · 1931-09-01 · Heft 9-10 (September 1931) · p. Seite 416

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 9-10 (September 1931)
Article
Mystik als Volksbewegung
Date
1931-09-01
Page
Seite 416 (sequence 8)
Language
German
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416 MENORAH schriftliche umgewandelt wurde. Dies tat der Schüler des Beseht und Freund des Maggid, Rabbi Jakob Josef Kohen, Rabbiner in Schargorod, dann in der historisch bedeutsamen Gemeinde Niemirow, zuletzt (von 1770 bis zu seinem Tode, 1782) in Polonnoje. Jakob Josef Kohen, der offensivste Geist im heroischen Zeitalter des Ghassidismus. hat die Lehrworte des Beseht in dem Predigtbuch „Toldoth Jakob Josef" niedergelegt, das in der Hauptsache polemisch ist und in grimmigen Anklagen gegen die rabbinische Orthodoxie, zugleich in leidenschaft licher Verteidigung der chassidischen Lehren besteht. „Es gibt" — legt der Strafprediger von Polonnoje einmal dar — ,,drei Arten von Galuth: die Vertreibung Israels durch die fremden Völker, das Ausscheiden der Gelehrten aus der Gesamtheit des gemeinen Volkes und die Verfolgung der makellosen Jünger der Weisheit (das sind die Führer der Chassidim) durch die Weisen im Reiche des Bösen, durch die Judenteufel" (ein Ausdruck aus dem Sohar, mit dem Kohen die Rabbiner bezeichnet). Diesen „Schädlingen in Israels Weingarten" gegenüber bezeichnet Kohen als die wahre Bestimmung des geistigen Führers des Judentums in einer geradezu metaphysischen Erörterung die stete Verbundenheit mit der Masse, um „dem Volkskörper Lebensodem einzuhauchen". Das sei die Aufgabe der Zaddikim, jedoch nicht etwa zum Zwecke einer Anteilnahme an den Gemeindeangelegenheiten, sondern um die Wünsche jedes einzelnen einfachen Mannes sozusagen vor der höchsten Instanz zu vertreten. Hier ist also dem praktischen Zaddikismus gewissermaßen der Schlüssel zur Macht in die Hand gegeben. Das Buch „Toldoth Jakob Josef" erschien 1780 im Druck und damit war der Grundstein zur literarischen Propaganda des Ghassidismus gelegt. Sie setzte auch sofort ein: in den chassidischen Zentren in Galizien und der Ukraine wurden zu diesem Zweck eigene Druckereien begründet. Dies gab den Vertretern des Rabbinismus, vor allem dem „Gaon von Wilna", Rabbi Elia, der schon neun Jahre vorher scharf gegen die „Irrlehre" aufgetreten war, Anlaß zu energischem Handein. Der Gaon tat (1781) die Chassidim der Gemeinde Wilna in Bann und dieser Gherem erstreckte sich allmählich auch auf das übrige Litauen, Weißrußland, Galizien und Podolien. Für die Anhänger der Lehre des Beseht brachen 20 Jahre schwerer Verfolgungen an. Aber die chassidische Bewegung war nicht einzudämmen. Das äußere Gefüge der verschiedenen Provinzen und Gemeinden war durch die politischen Verhältnisse (Verfall Polens, Schwinden der jüdischen Autonomieverbände usw.) zu locker geworden, um die immer wieder neu auftauchenden Gruppen, die sich um immer neue Zaddikimführer scharten.

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