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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 375

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Judentum und Feminismus
Date
1931-07-01
Page
Seite 375 (sequence 13)
Language
German
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JUDENTUM UND FEMINISMUS 375 gensatz zum Stil und betont ihre absolute Berechtigung; er schreibt über die Koketterie, das relative und das absolute Geschlcchlerproblem, hier übrigens von Weininger ohne Zweifel angeregt. Aber auch seine Vorträge und Aufsätze über Krieg und Kulturkrisis zeigen den feinen Witterer der femininen Ps3*che. Und seine „Philosophie des Geldes" ist eine der fruchtbarsten Psychologien, die in das Problem des Lebens und der Werte geblickt haben. „Lebensanschauung" endlich gibt eine vollendete Anschauung der vitakosmischen Auffassung des Lebens. — Auch Karl Joel hat die Begabung, das Weib zu wittern, wie in ,,Philosophenwege" und ,,Neue Weltkultur". Sein Bekenntnis zur Vernunft in der „Philosophischen Krisis der Gegenwart", in der „Vernunft in der Weltgeschichte" usw. scheint mir ein eigenartiger Widerspruch zu sein zu der Grundsubstanz dieses absolut femininen Denkers. Er deckt übrigens auch die ästhetische Kontradiktion in Husserls „Logizismus" auf, ein Beweis weiter, wieviel der Jude selbst im betonten Falle mit der Logolatrie zu tun hat. — In Frankreich der Jude Henri B e r g s o n und in Deutschland der Jude Edmund H u s s e r 1 sind ausgesprochen feminine Denker. Beide sind die Philosophen des Expressionismus. Die ganze Welt verschreit Bergson als Modephilosophen — vielleicht nicht mit Unrecht, wenn man den W er t der Mode einmal anerkennt — und niemand erklärt, warum er in der gesamten europäischen Welt Schule gemacht hat. Schulphilosophen werden allerdings auf die Merkmale der Degenereszenz hindeuten. Aber so schlimm ist die Degenereszenz gar nicht. Schlimmer ist die Verknöcherung der Schulphilosophie. Daß dieser ein Philosoph wider den Strich geht, der einen elan vital proklamiert, ein Leben des Erlebens willen, ist begreiflich. Soviel Expressivität ist man nicht gewohnt ex cathedra verkündet zu hören. Aber Bergson ist der Sammel- und Ausstrahlungspunkt der Kulturwende, die positive Ergänzung zu der Romantik und Nietzsche. — Bei Husserl sind rationalistische Elemente beigemischt. Sein ,,intentionales Erlebnis" ist eher indisch angehaucht, denn französisch. Aber die irrationalen Bestandteile überwiegen in seiner eidetischen Phänomenologie, wie Intuition, Phantasie, Eidos usw. Jedenfalls ist er mit Bergson einer der ersten gewesen, die die Grundkraft der ästhetischen Intuition als die große schöpferische Bindung zum metaphysischen Erlebnis erkannt haben.

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