Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 369

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Judentum und Feminismus
Date
1931-07-01
Page
Seite 369 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2912821-2912908-2912913-2927021--10523-2927194
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUDENTUM UND FEMINISMUS 869 Proselytismus seit ungefähr dem Jahre 1000 aufgehört und eine Inzucht eingesetzt, die in der Geschichte der Menschheit einzig dasteht? — Aber die Tatsache der ,,arischen" Durchwirkung ist reziprok: es sind die rationalen Komponente n, d i e Ii i n u n d w i eder aus dem J u clent u m hervorbrechen. Dies läßt sich — wenn auch in abstracto — mit Bestimmtheit behaupten. Ich weise hier noch einmal darauf hin: aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt, ist die Rationalisierung des Kultes geschehen, ist die antifeministische Tendenz durchgedrungen und damit die antivitale. Sollten Mischehen und Proselytentum nicht mit daran schuld sein? — Daraus erklärt sich auch noch weiterhin das „Arische", das man in Christus entdecken will. (Chamberlain, Delitzsch.) Die Möglichkeit besteht, daß Christus ein galiläischer Mischling war. Aber dann ist nicht das Erhabenste an ihm — seine grandiose Passion — das ,,Arische" (denn wer kennt nicht das Appassionato der jüdischen Propheten?): sondern sein Rationalismus, der in allen Teilen seiner Lehre zum Durchbrach kommt. Die Möglichkeit der Mischung ist ein weiteres Moment für die Frage des Gegensatzes zum alttestarnentarischen Prophetismus, wenngleich diese Mischung gar nicht erforderlich zu sein braucht, um B e g r i f f e wie Schuld und Strafe, Gut und Böse, Himmel und Hölle zu formulieren. Delitzsch hat mit ,,I3ahel und Bibel" und insbesondere mit seinen beiden Teilen der „Großen Täuschung'*, einen großen Dienst geleistet. Abgesehen von der einseitigen Entstellung, ist eines ganz klar geworden: ein Wissenschaftler darf nicht an das Kunstwerk Bibel tasten. Hier i s t d e r ,,a r i s c h e" T a t s a c h e n s i n n in die ,,s e m i t ische" Stilis icrung hineingetragen. Delitzsch mag tausendmal beweisen, daß Jericho durch den Verrat einer Hure gefallen ist: die Stilisierung der biblischen Erzählung mit der Sieben und mit dem Einstürzen der Mauern durch den Posaunenschall wird bestehen bleiben, weil ein Kunstwerk vor der nüchternen Tatsache — o, Ironie der Wissenschaft! — nicht kleiner wird, sondern gr ö ß er. Was aber Jaho betrill't, den Sippengott, da ist kein Zweifel, daß das kein Universalgott ist, wreil er die Personifikation der jüdischen Idee ist. Aber jene Idee, jenes E i d o s i s t größer, ist ungeheuerer, weil es aus den eschatol ogischen U r s c h ä c h t e n eines Vo 1 - kes geboren ist, das die Kraft und die Leidenschaft hat, die Kolossalität und Intensität, die einen noch so kleinen ,,P a r t i a 1 g o 11" zum ,,U nivcrsalgot t" v o n selbst erhebt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.