Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Judentum und Feminismus
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 364 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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364 MEN ORAH Ziel zu gelangen. Das Rätsel löst sich psychologisch sehr leicht: beides sind Urbegriffe für ,,Mann" und „Weib". Indien und Babylon stehen sich gegenüber wie Mann und Weib. Aus dem einen Grundstock ging die ägyptische, assyrische, jüdische, arabische Kultur hervor. Aus dem anderen die chinesische, eranische, griechische, römische. Auf Griechisch-Römisch, Jüdisch-Arabisch steht das Abendland mit seiner ähnlich verteilten Kulturentwicklung: wiederum „Ar i e r" und ,,S e m i t" (-— „Mann'' und „Weib"). Babylon ist die Urmutter aller „Kultur". Als Gesamtphänomen wird sie noch aufzudecken sein, weil wir sie erst von dem dritten Jahrtausend an kennen. Aber Indien ist doch offenbar nur bis zu einem gewissen Grade von dem älteren Babylon abhängig: nämlich bis zu seinem Rationalismus. Woher der rätselhafte Arier kommt, der alle Welt mit Kultur „beglückt" haben soll, ist eine müßige Frage: denn er ist eine Fiktion, so gut wie der Semit, der nichts Eigenes „hervorgebracht" hat. Ich glaube hinter das Problem zu leuchten, wenn ich sage, daß diese beiden Fi k t i o n e u nichts anderes sollen als die Wesensgegensätze betonen von „M a n n" und „W e i b": — diese ebenfalls als Fiktionen, da es ja weder biologisch noch psychologisch einen reinen Mann und ein reines Weib gibt. Wem leuchten nicht die .psychologischen Gründe ein, wenn man bedenkt, daß Indien einen Sonnenkuli hatte und Babylon einen Mondkult? Tag und Nacht: — wem leuchten hier nicht die Gegensätze ein vom „Mann" und „Weib"? Der „arische" König Hamurabi brachte den Kult um Marduk, dem Sonnengott, nach Ghaldäa. Aus einem immanent-psychologischen Protest wranderte Abraham aus von Ur und gründete eine Religionsgemeinschaft, die sich heute noch nach dem -— Monde richtet: die Juden. Ich frage: wem leuchten diese fundamentalen Gegensätze nicht ein als urwesenhaft konträr, als „Mann" und „Weib"? I ch unterschätze die Bedeutung nicht, die der Prosely tismus zeitweise im Judentum erreicht hat. Daß durch die Diaspora, insbesondere nach und während der babylonischen Gefangenschaft, ein großer Prozentsatz „a rische n" Elements in die Rasse eingedrungen ist, ist anthropologisch kaum abzuweisen. Auch auf dem Wege der Mischehen hat ohne Zweifel seit dem babylonischen Exil eine starke Durchwirkung des Blutes stattgefunden. Aber hat Esra nicht nach dem Exil eine Ausrodung großen Stiles inszeniert, hat er nicht alle Mischehen aufgelöst und alle Kinder ausgesetzt? Und hat nicht der