Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Der Brüsseler Internationale Sozialistenkongreß im Jahre 1891 und die Judenfrage
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 358 (sequence 8)
- Language
- German
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358 MENORAH ein neutrales Land, und dem Standpunkt eines Sozialisten von dem Range W o 1 d e r s' sollte prinzipielle Wertung zukommen. „Unsere Sympathie für die unterdrückten Juden ist etwas Selbstverständliches" sagte W o 1 d e r s (ich zitiere den Bericht in Plechanows „Sozialdemokrat"). — „Sozialisten nehmen immer Partei für die Unterdrückten gegen die Unterdrücker, für die Ausgebeuteten gegen die Ausbeuter. Die Unterdrückten und Ausgebeuteten aller Länder sind miteinander verbunden durch Bande der Brüderlichkeit. Die Liste der sozialistischen Märtyrer, die im Kampf um Rußlands Freiheit gefallen sind, enthält zu viele jüdische Namen, als daß man uns einer unfreundlichen Haltung gegen das jüdische Volk verdächtigen könnte. „Die antisemitische Bewegung wird lediglich von den bürgerlichen Parteien genährt, sie entspringt unter anderem auch dem Neid, den christliche Ausbeuter gegen jüdische Ausbeuter empfinden (Beifall. Für die unterdrückten Juden gibt es nur einen einzigen Weg: Hinein in die Reihen des Sozialismus." Hier die von Wold er s vorgeschlagene Resolution: „In Anbetracht, daß die Sozialistischen Arbeiterparteien aller Länder stets und überall erklärt haben, es existiere für sie keine Feindschaft gegen ein Volk oder gegen irgendwelche Nation, und daß sie einzig und allein den Klassenkampf der Proletarier aller Völker gegen die Kapitalisten aller Völker anerkennen; „in Anbetracht, daß als einziger Weg zur Befreiung der jüdischen Arbeiter die Vereinigung angesehen wird mit den Sozialistischen Parteien jener Länder, in denen sie leben, — „erklärt der Kongreß, daß er, nach Verurteilung der Judenhetze als einer von den kapitalistischen und reaktionären Regierungen ausgeheckten Finte zum Zwecke der Spaltung der Arbeiterschaft und der Ablenkung der sozialistischen Bewegung von ihrem richtigen Ziel, — „die von dem Vertreter der Jiddisch-sprechenden Gruppen der amerikanischen Sozialisten aufgerollte Frage als überflüssig erachte und zu den nächsten Punkten der Tagesordnung übergehe." Als W o 1 d er s die Vorlesung seiner Resolution beendete, entstand bei einer gewissen Gruppe der französischen Delegation eine schreckliche Verwirrung. Einige Delegierte drängten, das Wort zu erhalten, und der Vorsitzende hatte Mühe, sie zu beruhigen, indem er forderte, sie mögen doch vorerst die Übersetzung der Resolution ins Deutsche und Englische zulassen. (Wolders hatte sie in französischer Sprache vorgelesen.) Nach Vollendung der Übersetzungen erhob sich ein großer, schwarzbärtiger Mann mittleren Alters. Er gehörte der französischen Gruppe