Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Ebrei
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 344 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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344 MENORAH „Die Religion hindert nicht die Liebe zum Vaterland, dagegen .. .'c „Ich sehe eben diesen Krieg in einem weiteren Zusammenhang. Sieht es nicht so aus, als wenn die verschiedenen Staaten einander zu vernichten suchen, damit auch die Juden endlich jene Freiheit und Stellung erlangen, auf die sie schon so lange Anspruch haben? Ist die Befreiung der russischen Juden nicht eine Notwendigkeit, oder wollen Sie, daß sie weiter unter der Furcht vor Pogromen und Mißhandlungen dahinleben?" „Gewiß nicht. Aber ich glaube, daß die fortschreitende Zivilisation selbst diese Härten und Quälereien beseitigen wird . . ." „Es wäre zu wünschen." „Denken Sie doch, lieber Carlo, auch daran, wie noch unsere Großväter gelebt haben und wie wir selbst leben! An ihre stinkenden und finsteren Läden und an unsere Freiheit und Gleichberechtigung! Wir haben Italien unendlich viel zu danken . .." „Auch ich liebe mein Land, Herr Oberst!" „Ich glaube es Ihnen. Wollen Sie es aber vernichtet und das Haus Savoien gestürzt sehen, jenes Herrscherhaus, dem wir Juden so viel zu danken haben. ..?" „Gewiß nicht." „Ich kann Sie wohl verstehen, aber nicht entschuldigen. Ich bin eben Soldat und in erster Linie Italiener." „Aber auch ich bin es jetzt und will wie Sie den Sieg Italiens . . ." Die Objektivität Puccinis, der beide Seiten zu Worte kommen läßt, ist bewunderungswürdig, ebenso wie seine Einfühlung in die ihm doch fremde jüdische Psyche. Lud das Ende des Buches? Es wird nichts entschieden. Mit beendetem Krieg findet jeder in seinen kleinen Kreis zurück. Carlo Moscato gewinnt seinen Frieden und seine Frau zurück, die schon fast für ihn verloren schien, und der jüdische Oberst hilft seinem Land zu siegen, als dessen Bürger er sich in erster Linie fühlt.