Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Ebrei
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 343 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912913-2927012--10482-2927168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
EBREI 343 Aber noch kennzeichnender ist in mancher Hinsicht das Gespräch ■Carlos mit dem jüdischen Oberst Levi Naim, aus dem ein kleiner Teil im folgenden wiedergegeben sei: „Glauben Sie", fragte der Oberst, „daß das jüdische Volk reif genug ist, auch außerhalb seiner finanziellen Erfolge eine rein geislige Einheit zu erreichenV" „Und ob ich es glaube! Seit zehn Jahren ist das einer meiner Lieblingsgedanken.** ..Wirklich?" „Ich versichere es Ihnen. Früher oder später muß aus dem Bewußtsein ökonomischer Erfolge ein politischer und geistiger Stolz hervorgehen. Auch jetzt linden wir natürlich bereits Juden in leitender Stellung, ebenso in Italien als anderswo. Aber es sind das Einzelerfolge, die auf überragende Begabung einiger weniger zurückzuführen sind. Man muß die Masse der Juden heranzubilden suchen, wenn man eine wirkliche jüdische Geistesaristokratie schalten will. Es kommt ja nicht auf die Zahl ihrer Mitglieder an, nur auf ihre Einheitlichkeil und Zusammengehörigkeit . . ." „Auch ich habe schon daran gedacht. Wie aber könnte es uns gelingen, die italienischen Juden vom Handel loszulösen und sie für die freien geistigen Berufe zu interessieren? Wenn wir auch jüdische Advokaten. Professoren und Ingenieure haben, so besteht doch zwischen ihnen keine Verbindung: jeder geht seinen Weg für sich allein. Die meisten hat dazu noch das 1* reimaurerlum gewonnen, und das bedeutet nach meiner Meinung eine Abkehr vom Geiste unseres Volkes und unserer Religion. Hier steckt das Problem. Was nützen uns jüdische Erfolge, wenn sie das Ereimaurertum für sich in Anspruch nimmt? Alle diese Anstrengungen sind so gut wie verloren."" .,lch gebe Ihnen vollkommen recht. Nur glaube ich nicht, daß ein Jude, der Freimaurer wird, deshalb aufhört, ein Jude zu sein. Ja, er ist zunächst immer Jude und dann erst Freimaurer.*' ..Ich stimme Ihnen zu. lieber Carlo. Aber deshalb müssen wir uns« stets auch vorhalten, daß wir zunächst und vor allem einmal Italiener sind.' „Aber ist es nicht ein Zufall, wo wir geboren sind, Herr Oberst?"' „Ein Zufall? Ja, handelt es sich denn hier nur um eine Provinz, eine Stadt, ein Haus? Steckt nicht in uns eine Tradition, die Jahrhunderte zurückgeht? Unsere Seele ist von dieser Vergangenheil gebildet worden/" „Es mag in mancher Hinsicht richtig sein, was Sie sagen. Trotzdem glaube ich, daß ein echter Jude sich nur zu seinem Volk, zu seiner Religion bekennen darf.*'