Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 329 (sequence 5)
- Language
- German
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JÜDISCHE BERUFSUMSCHICHTUNG 329 vorübergehendem Charakter, die man wieder aufgibt, wenn die Konjunktur in den bisher wesentlich von Juden besetzten Berufen sich bessert. Betrachten wir nun diese Verhältnisse unter solchen weitgesteckten Gesichtspunkten, so müssen wir uns zunächst einmal sagen, daß die mitteleuropäische, insbesondere die deutsche Landwirtschaft in ihrer jüngsten Entwicklung nicht die Kräfte hat erkennen lassen, welche ihr eine sichere Zukunft verbürgen würden. Gewiß ist in den Kriegs- und Inllationsjahren hier ein furchtbarer Raubbau betrieben worden, der inzwischen längst wieder einer rationellen Bewirtschaftung Platz gemacht hat. Aber wenn man bis in die letzten Jahre hineingeht, in Zeiträume also, in denen diese Baubbauperiode längst überwunden war, so sieht man doch an den Erträgnissen der landwirtschaftlichen Tätigkeit innerhalb Deutschlands, daß hier irgendetwas Wesentliches nicht in Ordnung ist. Eine kleine Tabelle mag dies illustrieren: Deutsche Erntccrträgnisse pro Hektar: Roggen Weizen Gerste Hafer Kartoffeln dz dz dz dz dz 1913 . . . 193 24' L 22'0 22'0 157'1 1928 . . . 184 223 220 199 144-9 1929 . , . . 17'3 20*9 20o 20'7 141*4 Diese Zahlen zeigen zum mindesten, daß es der deutschen Landwirtschaft nicht gelungen ist, trotz intensivster Anwendung künstlicher Düngemittel die Hektarerträgnisse wieder auf den Vorkriegsstand zu bringen oder gar darüber hinaus zu erhöhen. (Die ZitTern für 1913 sind auf das jetzige Reichsgebiet umgerechnet.) Vielleicht wird man nun einwenden, es habe sich in den Jahren 1928 und 1929 um Zufallsergebnisse infolge schlechterer Ernten gehandelt, denen irgendeine Bedeutung für die landwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands nicht beizumessen ist. Dem wäre entgegen zu halten, daß in Deutschland (immer auf das jetzige Reichsgebiet bezogen!) nicht nur die Hektarerträgnisse der wichtigsten Kulturen sich verschlechtert haben, was ja tatsächlich mehr oder minder zufällig sein kann, sondern daB sich auch die bebaute Fläche verringert hat. Nach den Ermittlungen des Internationalen Landwirtschaftsinstituts in Rom waren in Deutschland im Durchschnitt der Jahre 1911 bis 1913 mit Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben insgesamt 15,370.000 Hektar bepflanzt, im Jahre 1929 aber nur noch 14,755.000 Hektar. Nun ist freilich prozentual betrachtet die Weltbevölkerung noch stärker gestiegen als die landwirtschaftlich bebaute Fläche. Aber auch die Bevölkerung des deutschen Reiches in seinen jetzigen