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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 326

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
Date
1931-07-01
Page
Seite 326 (sequence 2)
Language
German
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326 MENORAH len, ganz unklar gestaltet. Wir haben hierfür in Deutschland ein ganz typisches Beispiel. Schon seit der Judenemanzipation in Mitteleuropa hat es immer gewisse Bestrebungen gegeben, deren Ziel in der Einschichtung von Juden in die deutsche Landwirtschaft lag. Diese Bestrebungen wurden und werden durch spezielle Institutionen gepflegt, die früher, das heißt in saturierten wirtschaftlichen Verhältnissen, freilich nur ein relativ kleines Betätigungsfeld vorfanden. Die Mittel, mit denen diese Institute ausgestattet waren, wiesen ein recht günstiges Verhältnis zu dem Umfange der zu leistenden Arbeit auf. Diese Mittel sind durch die Kriegs¬ und Inflationsereignisse wenn nicht ganz verschwunden, so doch außerordentlich zusammengeschrumpft. Auf der anderen Seite aber hat sich der Aufgabenkreis insofern enorm erweitert, als das Bedürfnis nach Berufsumschichtung als solches gewaltig anwuchs, welches sich zu einem Teil immer gerichtet hat auf ein Eindringen in die Landwirtschaft. Es kam hinzu, daß gerade diese besondere Tendenz durch die Vorgänge in Palästina einen starken Antrieb erhielt. Je mehr es sich herausstellte, daß Juden in Palästina in sehr schwierigen Verhältnissen auf dem Gebiet der Landwirtschaft dennoch etwas zu leisten vermochten, umso größer wurde der Kreis derjenigen jungen Menschen in Deutschland, welche eine Urnschichtung zu landwirtschaftlichen Berufen für sich als wünschenswertes Ziel erkannten, dieses Ziel aber in Deutschland selbst verwirklichen wollten. Bewußt und unbewußt hat hierbei das Gefühl eine Rolle gespielt, daß das, was in Palästina gelungen ist, oder doch wenigstens zu gelingen scheint, in Mitteleuropa unter ungleich günstigeren klimatischen und zivilisatorischen Bedingungen einem bestimmten Kreise von jüdischen jungen Menschen erst recht gelingen werde. Zusammengefaßt wurden schließlich alle diese Tendenzen innerhalb Deutschland im „Reichsbund für jüdische Siedlun g", dem wohl alle parteilichen Schichtungen des deutschen Judentums als Gründer angehören. In der Tendenz vollzieht sich hier ein Werk, welches sicherlich als begrüßenswert zu bezeichnen ist. Aber es erhebt sich bei einer praktischen Analyse der fraglichen Verhältnisse das große Problem der Lebensfähigkeit der mitteleuropäischen Landwirtschaft im allgemeinen und der Deutschlands oder eines künftigen deutsch-österreichischen Wirtschaftsraumes im besonderen. Die Klärung dieses Problems kann natürlich nur unter Einstellung auf längere Fristen erfolgen, denn es handelt sich ja hierbei um Tendenzen, die für viele Jahrzehnte hin wirksam sein werden, wenn sie überhaupt einen Sinn haben sollen und nicht etwa nur um Notmaßnahmen von

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