Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Zur Frage der jüdischen Berufsumschichtung
- Date
- 1931-07-01
- Page
- 325 (sequence 1)
- Language
- German
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ZUR FRAGE DER JÜDISCHEN BERUFSUMSCHICHTUNG Von Alfred Marcus Das Problem der Berufsumschichtung ist in Österreich ähnlich gelagert wie in Deutschland, und es läßt sich daher von den Erfahrungen, die auf diesem Gebiete in der jüdisch-sozialen Arbeit Deutschlands im Laufe der letzten Jahre gemacht worden sind, Grundsätzliches ableiten für die Verhältnisse in Österreich. In beiden Ländern stehen wir vor der Tatsache, daß eine allzu stark in Handelsberufen tätige jüdische Bevölkerungsschicht Mittel und Wege suchen muß, in andere Berufe mit größerer ökonomischer Sicherung einzudringen. Diese Bevölkerung ist gemessen an der Gesamtbevölkerung der beiden Länder verhältnismäßig klein. Auch dann, wenn, wie es jetzt den Anschein hat, Deutschland und Österreich in absehbarer Zukunft zu einem einheitlichen Wirtschaftsgebiet verschmelzen werden, wird der Anteil der Juden an der Gesamtzahl der in diesem Wirtschaftsgebiet ansässigen Menschen prozentual betrachtet sehr klein bleiben. Man sollte also eigentlich annehmen, daß für eine Bevölkerungsgruppe von relativer Kleinheit in einem doch immerhin recht großen Wirtschaftsraume die Möglichkeit bestehen müßte, Tendenzen, die auf eine Änderung des sozial-ökonomischen Aufbaues drängen, zu verwirklichen. Bisher hal es sich aber sowohl in Deutschland, als auch in Österreich gezeigt, daß dem sehr große Schwierigkeiten entgegenstehen. Wir müssen es heute leider offen aussprechen, daß die Bestrebungen, die bisher eine Berufs Umschichtung der mitteleuropäischen Juden durchzuführen suchten, nur minimale Ergebnisse gehabt haben, welche energetisch betrachtet in einem überaus ungünstigen Verhältnis zu den aufgewendeten Mitteln und Kräften stehen. Das hat seine guten Gründe! Denn einmal besteht für diejenigen Stellen, denen die Leitung der Umschichtungstendenzen obliegt, die Schwierigkeit in einer zweifellos vorhandenen Resistenz auf jüdischer Seite, zweitens aber ist diese Resistenz auch festzustellen innerhalb derjenigen nicht jüdischen Wirtschaftskreise, welche für die Aufnahme der „berufsumzuschichtenden" jüdischen Menschen in Frage kommen. Außerdem macht die Krisenhaftigkeit der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Situation eine zielbewußte Arbeit überaus schwer, zumal sie auch rein theoretisch die Feststellung der Aussichten in den Wirtschaftsgruppen, in die Juden in verstärktem Maße hineingebracht werden sol-