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Menorah · 1931-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1931) · p. Seite 310

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1931)
Article
Der Fluch des Vorurteils
Date
1931-07-01
Page
Seite 310 (sequence 4)
Language
German
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310 MENORAH „Meine Sympathie gehört unter diesen Angehörigen von nationalen Minderheiten denjenigen, die unerschrocken ihren Standpunkt wahren, ohne zu viel Aufhebens davon zu machen. Was sich ihnen entgegenstellt ist weniger bloße Unwissenheit und Bosheit, als vielmehr ein ewiges Gesetz der menschlichen Natur. Ich glaube, wenn ich ein Juid'e wäre, ich würde tausendmal lieber auf den Besuch der oder jener vornehmen Universität verzichten, als die Zugehörigkeit zu meinem Volke verleugnen oder verbergen. Ich selbst bin von der amerikanischen Rasse weniger verschieden als die Juden, aber diese Verschiedenheit genügt, um mich beständigen Qualen auszusetzen. Es vergeht keine einzige Woche, ohne daß ich Briefe oder Zeitungsausschnitte bekomme, in denen ich aufgefordert werde, in die Gefolgschaft Wilhelms zurückzukehren, in denen ich als Hunne verflucht, als Träger eines deutschen Namens verhöhnt werde. Nichtsdestoweniger bin ich mit diesem Namen nach wie vor höchlich zufrieden9), und ich. habe ganz gewiß niemals den Versuch gemacht, ihn hinter einen Scheffel zu stellen. So weit ich es beurteilen kann, bin ich in ebensovielen Klubs ») Mencken stammt aus einer hochgeachteten Gelehrtendynastie. unmöglich wie Samuel Untermyer (berühmter Dichter) oder Julius Rosenwald (Kaufherr und Philanthrop). Nun, und wenn schon? Es scheint mir nicht nur unvermeidlich, daß dem so sei, sondern im wörtlichen Sinne richtig. Ich habe es gern, wenn die Leute unter sich bleiben wallen. Das Dogma des Schmelziiegels hat mich nie so recht überzeugt: es wird von zu vielen handgreiflichen Schwindlern gepredigt. Ich glaube fest, daß es für die Juden wie für jedes andere selbstbewußte und deutlich eigenartige Volk ein Unglück wäre, mit der Masse der angelsächsischen Amerikaner zu verschmelzen. Ihre hartnäckig betonte Eigenart ist für die amerikanische Kultur von Wert, und für sie selbst bedeutet sie idie Erhaltung entschlossener und männlicher Eigenschaften, was nur glückbringend ist. Ich glaube, daß der Mangel eines akademischen Grades der Universität Yale oder dfie Verweigerung des Eintritts in irgend einen jämmerlichen Klub ein kleiner Preis dafür ist, eines uralten, ruhmreichen Erbes teilhaftig zu sein, die armen Angelsachsen auf allen Gebieten zu schlagen, und alle Tage so herrliche Gerichte zu essen, wie meine jüdischen Freunde sie mir vorsetzen, wenn ich bei ihnen zu Gaste bin." Ist das die Sprache eines Judenhetzers? I

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