Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1931)
- Article
- Was der Baumeister Salman erzählt
- Date
- 1931-07-01
- Page
- 291 (sequence 1)
- Language
- German
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MENORAH IX. JAHRGANG JULI/AUGUST 1931 NUMMER 7/8 WAS DER BAUMEISTER SALMAN ERZÄHLT Von David P i n S k i Nachdruck verboten Dies ist der kurze Bericht über den Baumeister Salman, über seine Geschichten vom großen Reichtum und über seine Zuhörer, der unseligen Kinder unsäglicher Armut und Not. Die freudlose Armut der Stadt wohnte zwischen zwei „Wällen", an den Rand eines langen, breiten Grabens gepreßt, der „die Rinne" hieß. Diesen Namen führte er, weil er einer Rinne glich, durch die alle Abwässer fließen, und weil er einer Kanalrinne gleich bei dem breiten Strom endete, der an der Stadt vorüberzog. Der Reichtum aber war auf den „Wall' rechts und links von der „Rinne" emporgestiegen. Dort gab es gepflasterte, ja sogar asphaltierte Straßen mit sauberen Gehsteigen und elektrischer Beleuchtung, mächtige Fassaden schöner Häuser und breite Boulevards. Aber ganz rechts, am Rande -des Walles, erstreckte sich fast über die ganze Länge der „Rinne", als wäre es aus ihr emporgewachsen, das riesige, drei Stock hohe gelbgetünchte Gebäude des Städtischen Irrenhauses. Es war von einem großen Garten umgeben, starrte mit der Front unzähliger Gitterfenster zur Rinne hinunter und zu der Armut, die sich in ihr vergraben hatte, und erfüllte sie bei Tag und Nacht, besonders aber in den heißen Sommernächten, mit dem wilden Schreien vom Wahnsinn gequälter Menschen. So hatte der Wall links von der „Rinne" keine andere Aufgabe, als den Tod und seine Ruhestätte aufzunehmen — den großen Friedhof, der unten hart an der Rinne begann und sich über den ganzen Abhang bis über den Kamm des Hügels hinaufzog. Unaufhörlich schwebte über der Rinne herzzerreißendes Wehklagen vorüberziehender Leichenbegängnisse, das Jammern verzweifelter Frauen, die Gräber ausmaßen und Tote weckten, das Schluchzen der Kaddischgebete und des „El mole rachamim". Und stets lag auf ihr die Todesangst, besonders in den weißen Nächten von Schnee und Mondlicht. Aber dort, wo die Straßen der Satten und des Reichtums in die Rinne mündeten, stand die große Schenke, um die ewig der Geruch