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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 276

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Ein Messias-Bild
Date
1931-05-01
Page
Seite 276 (sequence 1)
Language
German
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276 MENORAH EIN MESSIAS-BILD Von B. Badt Chebie Maschiach, so nannten unsere Väter, deren leiidgesättigtes Geschlecht einst das Blutbad des Kasimir Chmelnicky zitternd und löwenmulig zugleich miterlilten halte, die Peinigungen, die ihre Zeit, wie sie fest vertrauten, aufnahmefähig und bereit machten, um den Sohn Davids zu empfangen: Geburtswehen der Well, die den Messias erzeugen sollte ... Es scheint, als ob die Leiidien, mit denen unsere Tage so Juden wie Christen überfluten, ähnliche Bereitschaft und Richtung erwecken. Kaum anders erklärt sich sonst die vielfache Hinwendung der Geister zu den Schattenbildern messianischen Reiches in jüdischer Vergangenheit. Schon die Verschiedenheit, mit welcher clwa Graelz und Dubnow die sabbnlianische Bewegung darstellen, ist bezeichnend. Brod spürt in gleichem Streben dem Wege und der zeitgeschichtlichen Bedeutung des Fürsten der Juden David Reubeni nach; Edmond Fleg wählt Salomo Molcho zum Helden eines Dramas. Vor allen andern aber weckt der rätselhafte Komet unserer Geschichte in der Diaspora, Sabbatai Zewi, die Teilnahme idter Forscher wie der Gestalter. Gerhard Selm lern beschäftigt sich mit der saibbatianischen Theologie, die freilich nicht mehr auf Sabbatai selbst zurückgeht. Und das ungeheuer spannende und weehsetreichc Leben de.s Mannes selbst, des Messias von Smyrna, schildern uns zwei große Werke der letzten Jahre: PoljakofTs schon 1026 im Heine-Bund erschienener „Sabbatai Zewi" und das kürzlich bei Rowohlt erschienene Buch von Josef Kaslein „Sabbatai Zewi. Der Messias von Ismir". Vergleicht man dies außergewöhnliche Buch mit seinem unmittelbaren Vorgänger, so ergibt sich zunächst schon ein sehr bezeichnender Fnterschied. PoljakolT schildert einen Mann und sein Schicksal; beginnt mit der rätselhaften Auffindung der schönen Sarah auf dem Judenfriedhof, die zur Messiasbraut bestimmt isl, und endet mit dem eindrucksvollen Bilde des verzweifelnden Messias vor dem Sultan — rechts vergiftete Pfeile und Märtyrertum, links der grüne Turban des Renegaten. . . Kastein aber spannt den Bogen unendlich viel weiter. Sein Ziel heißt: eine Zeit zu schildern und eine Welt. Es ist jene merkwürdige Zeit um das Jahr 1060, da sich in Russisch-Polen wie auf dem Balkan, in Spanien wie in Italien nicht nur die Juden allein, sondern Moslems wie Christen nach dem Wclterlöser sehnen. In dieser Zeit wächst der Sohn des Geflü^elhändlers von Ismir auf, Sabbatai Zewi, der am 9. Ab geboren ist — dem Tage, der einst den Tempel verbrannte und nach altem Worte den Messias gebären sollte. Ein junger Kabbaiist mit einem merkwürdigen magnetischen Einflüsse auf die Menschen; kein starker Willensmensch, vielmehr einer, der sich treiben läßt und anrühren von dem Geschehen seiner Zeit. Der erlebt die Hoffnung seines Geschlechtes und die qualvollen Leiden,, durch welche die Juden in Polen das Herannahen der Messiaswelt gekommen glauben - — glauben müssen, um nicht zu verzweifeln; und d'ie Gewißheit seiner Sendung steigt in ihm auf — ob Selbstbetrug, ob Grund des Seins? Das läßt Kastein bis zum Schluß in unübertrefflicher Weise halb im Dunkel. Der junge Chacham wagt das Höchste, wie um sich selbst sein Wesen zu erweisen: er ruft in seiner Heimatstadt Ismir vom Almemor herab den Namen des Unerforschlichen aus. den vierbuchstabigen Gollesnanien, den nach der allen Gesetze nur zwei jemals anrufen durften: der Märtyrer vor der letzten Heimkehr — und der Erfüller, der Messias. Ob ihm auch grabesstilles Schweigen seiner Glaubensbrüder antworten mag: damit beginnt sein Lauf. Mit den ersten Schülern begibt er sich auf die jahrelange Wanderung, erobert nur durch die Macht seines Wesens große jüdische Zentren, wie Saloniki, wie Konstantinopcl. Im Heiligen Lande findet er den Propheten seiner Sendung, Nathan aus Ghaza, der noch an ihn glaubt, als aus dem Chacham schon ein Muselman geworden ist. Man trachtet ihm nach dem Leben, jüdische wie nichtjüdische Geg-

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