Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- A. Z. Idelsohn
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 275 (sequence 3)
- Language
- German
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A. Z. IDELSOHN 275 KomponisLeii etwas von der Bearbeitung jüdischer Volksmusik verstünden: die exquisiten Bearbeitungen einiger west- und mitteleuropäischer und die oft viel geringerwertigen Bearbeitungen ostjüdischer Komponisten beweisen gerade das Gegenteil. Es ist anzunehmen, daß in der deutschen. Bearbeitung des Buches die Geschichte des jüngsten Stadiums der jüdischen Musik hinzugefügt wird, die in der englischen Ausgabe nur skizziert ist. Idelsohn selber steht allerdings neueren Musikbestrebungen nicht gerade positiv gegenüber. Seine Musikansehauung wurzelt naturgemäß in der Auffassung .seiner Generation. Trotzdem wird es unumgänglich sein, wenigstens die bibliographischen Hinweise, die ja eine eminent wichtige Beigabe zu diesem Werk bilden, zu ergänzen; in bezug auf moderne jüdische Musik, auf neue Yolksliederbearbeitungen sowie auf die jüdischen Komponisten, die in der allgemeinen Musik beute eine Rolle spielen und die in irgend einem evidenten Sinn bedeutend und zukunftsvoll sind. Ferner erscheint es uns auch notwendig, daß in einer zeitgemäßen Geschichte der jüdischen Musik die Zusammenhänge zwischen ältester jüdischer und moderner Musik ausgewertet werden, die sieh durch gewisse — in dem Werk erwähnte — Tatbestände eigen.ll.ich von selber ergeben. Ein Beispie! dafür ist das Wiederauftauchen d(er Viertellonsysleme, die ja schon in der ältesten jüdischen Musik vorhanden sind. Ebenso müßte wohl auf die neuesten m ti s i k w i s sen sc.l 1 a f l liehen F o rsch u n ge n (zum Beispiel in Rußland) hingewiesen werden, die mit den jüngsten musikwissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenhängen, und 'die vielleicht dazu verhelfen werden, das Wesen des Volksliedes in einem ganz neuen Licht zu sehen. Es versteht sich von selbst, daß die Einwände, die gegen Idelsohns Veröffentlichung vorgebracht werden müssen, gering sind gegenüber den Dankbarkeits- und Freudecmplindungen, von denen man bei der Lektüre erfüllt ist. Wir bleiben uns immer bewußt, daß wir hier die grandiose Tat eines Schatzsuchers der eigensten Quellen des Jiid'enfums vor uns haben. Eine der wichtigsten Veröffentlichungen blelsohns bildet der 5. Band seines „Hebräisch-Orientalischen Melodienschatzes"': ,,D i e (i e s ä n g e d e r m a r o k k a u i s c h e n Juden". Ebenso wie in den früheren Bänden (Melodien der jemenitischen, sephardischen, babylonischen, persischen, dagheslanischen und biieharischen .luden) wird die Aufzeichnung dieser sicherlich treu überlieferten Gesänge durch eine Darlegung eingeleitet, deren Abschnitte folgende Gebiet»' behandeln: Historisches. Aussprache, Gesang. Die synagogalen Gesänge der Marokkanischen Juden stammen größtenteils von dem Teil der dortigen jüdischen Bevölkerung, der sich aus vielen älteren (vermutlich vorislamischen) und jüngeren (spanisch-arabischen) Elementen, zusammensetzt. Sephardisehes herrscht vor; der sephardische Ritus ist allgemein im Gebrauch. Die Gesänge sind von einfacher Art und übersteigen selten den t'ml'ang einer Oktave, meist bewegen sie sich innerhalb einer Quart, Quint oder Sechste. Am originalsten sind -— wie überall -•— die traditionellen Weisen, während die mehr weltlichen Melodien vielfach unter spanisch-arabischem Einfluß stehen. Die tonalen Grundlagen, wurden sorgfältig untersucht, in den zugrunde liegenden Skalen werden auch Vierlellöne nachgewiesen. Die Gesänge sind durch eine Art expressiver Monotonie oharakterisierl. die für den Orientalen typisch ist. Dadurch werden aber ihre starken konstruktiven und Gliedern ngst enden zen keineswegs beeinträchtigt. Einen sehr lebendigen und farbigen Zug erhalten sie diurch die Einfügung einzelner größerer Inlervallsprünge. Auch werden rhythmische und dynamische Elemente freier und vielseitiger gehandhabt, als man es aus der Musik der übrigen orientalisch-jüdischen Stämme kennt. Alice Jacoh-Loewensohn