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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 274

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
A. Z. Idelsohn
Date
1931-05-01
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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274 MENORAH analysieren — in ihrer historischen Entwicklung von den ältesten Zeiten ihres Auftretens als semitisch-orientalischer Gesang — durch alle Zeiten und Länder. Wir verfolgen ihre Geschichte als tongewo>rdenen Ausdruck des Judentums unid des jüdischen Lehens. Wir versuchen, den Einfluß herauszukristallisieren, den die Musik der fremden Umgebung auf die jüdische Musik ausgeübt hat und versuchen die Prinzipien auseinanderzusetzen, denen zufolge gewisse fremde Elemente eingekörpert wurden, bis sie organische Bestandteile der musikalischen Gesamlgestalt wurden. So linden wir in dieser Musik ursprüngliche Elemente und Züge. die das geistige Leben des jüdischen Volkes widerspiegeln." Wir haben es hier mit der ersten wissenschaftlichen übersieht über ein Gebiet zu tun, auf dem sonst noch absolutes Chaos herrscht. Insbesondere ist es Idelsohns Verdienst, uns die jüdische Musik des Orients erstmalig erschlossen zu haben, was einer Entdeckung der Ursprünge der jüdischen Musik gl eich zu kommen scheint. Ebenso haben seine Erkenntnisse ergeben, daß es im Orient c ine hochentwickelte jüdische VoIk smusikku 11u r gab. Vor ihm verstand und kannte man unter jüdischer Volksmusik nur die Volkslieder der osteuropäischen Juden, die durch ihre Verwandschaft mit der orientalisch-jüdischen Volksmusik nun auch in einem neuen Licht erscheinen, wie überhaupt jetzt erst die Möglichkeit gegeben ist, einheitliche Grundzüge in aller jüdischen Musik zu erkennen. — Da Idelsohm Spezialforschungen das Gebiet der orientalisch-jüdischen Musik betreffen, so sind auch diejenigen Partien des Werkes, die sich hiermit beschäftigen, von ganz besonderem wissenschaftlichen Wert und nehmen naturgemäß den größten Raum ein. Dem Musikwissenschaftler und Musiker, aber auch dem musikliebenden Laien wird durch dieses Buch eine neue Welt aufgehen. Jeder, der heute für dieses Gebiet Interesse hat — und das sind keineswegs nur Juden —, findet hier grurad legendes und vielseitiges Material. Es gibt in diesem Buch Themen und Gesichtspunkte, die es bis heute nirgends gab: zum Beispiel die Kapitel über den S y n » g og e n g e s> u n g in A m e r i k a oder über die II a r m onLs a lion o s t j ü d i s c h e r V o l k s m e 1 o d i e n. Gerade die Verbindung von Mist orie und Ethnologie, die sich sonst in so kurzer Zusammenfassung seilen findet, wird das Werk auch für den Laien zu einer fesselnden Lektüre machen, zumal der Stil der durch besondere Drucktypen isolierten, g c l n ei n ve r s t ä n d 1 i c h e n Partien keines w eg s schwierig, sondern sehr anschaulich ist. Auch seine absolute, ernste Sachlichkeit erleichtert das Studium in hohem Grade. Ganz besonders ansprechend und instruktiv wirken die zahlreichen Notenbeispiele und Faksimiles aus allen Zeiten der jüdischen Musik und ihrer benachbarten Kulturen. Einem langgefühlten Bedürfnis kommt auch das Kapitel über die 11 a r m o n i s a- I i o n jüdischer L i e d e r entgegen, das dem künftigen Bearbeiter jüdischer Musik die authentischen Gesetzmäßigkeiten aufstellen zu können meint. —- Allerdings darf man doch nicht übersehen, daß hier der — in hervorragendem Maße verantwortungsvolle — M u s i k \v i s s e n s c Ii a f t 1 e r, nicht der Komponist sich äußert. Und es ist zum mindesten fraglich, ob man das Hecht hat, die Bearbeitung jüdischer Lieder auf Grund der (richtig gebahnten) Intuition, des produktiven Musikers ein für allemal in das Prokrustesbett eines — wenn auch noch so berechtigten — Dogmas zu zwängen, dessen Letztgültigkeit doch erst noch von einem Kriterium, aus sich wind erweisen müssen, das uns heute in seinen letzten Gründen keineswegs erkennbar ist. Die Wirklichkeit pflegt auch derartige Dogmen allzuschnell ad absurdum zu führen. Ein Beispiel dafür sind die ganz hervorragenden Bearbeitungen jüdischer Volkslieder idiurch den französischen Komponisten D a r i u s M i 1 h a u d. — In diesem Zusammenhang klingt Idelsohns in diesem Buch vertretene Meinung sehr anfechtbar, daß nur die aus dem Osten stammenden jüdischen

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