Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Moses Applebaum
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 273 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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A. Z. IDELSOHN 273 auch die Farbe zu einer ebenso bedeutsamen Aufgabe, der er sicli mit der gleichen Leidenschaft hingab. Eine neue Einheit, ja Identität von Form und Farbe schwebte ihm vor, die in manchem Werk der letzten Jahre schon vorgeahnt war. Abstrulvte Formungen betrachtete er gleichwohl nur als Studien, nach abstrakter Kunst drängle ihn sein Forschertrieb nicht; zu innig war er der Realität verbunden, ihrem Elend und ihrer Schönheit. Mit einer Intensität, die nur aus völligem Einssein mit dem Gegenstand verständlich wird, malte er das Dasein des osljüdisehen Menschen, malle er ihn in äiilJerer Not und innerem Reichtum, malte er seine Sinnlichkeit und seine Ekstase; da war eine eigenartige Synthese von Intimität des seelischen Ausdrucks und Monumentalität der Form geraten. Niehl minder persönlich und innerlich ist Applebaums Landschaflsvrerk. Waren ihm seine Menschenbilder bald Ausdrucksträger eigener Erregungen, bald friedensvolle Verkörperungen liarvcllungsloser, in sich geschlossener Existenz, so fand er etwa in der schlichten Größe der BeskideiiLandschaft vollends reine Ruhe, erlebte hier die Natur als gütige schöne Mutter. Auch das vom Maschinenzeitalter veränderte Antlitz der Landschaft wurde für Appliebaum zu eineir tiefen Angelegenheit; die von der Technik aufgewühlte oberschlesisctie Erde und das Schicksal der Arbeiter haben den Charakter des Lokalen und des Einzelfalles abgestreift und weisen wie Applcbaums Bildnisse auf das Typische, allgemein Giltige. Daß dieser feurige Geist gerade in den letzten Monaten, als im Körper schon das tödliche Leiden steckte, sich mit besonderein Eifer auf St Indien stürzte, zu den Voraussetzungen des künstlerischen Schaffens hinabstieg, als wollte er das Anschauen und Erfassen der Welt aufs neue beginnen, bestärkte uns in der Hoffnung, daß er auf dem Wege zu gewalliger Meisterschaft sei. Der Tod allein konnle ihn an der Erreichung der letzten Ziele hindern; doch das Lebenswerk, das Applebaum hinterließ, dürfen, wir als edles künsllerisches Gut dankbar bewahren. Otto Schneid Herkunft Franziska aus Nukwan, Malkes Magd, Hat meiner Wiege ihr Leben geklagt, Und in diesem Liede sang das Leid: Wann kommt der Heiland, der uns freit, Mein Kind CJ Martin aus Borschow, Vaters Knecht, Führte wich in das Land der Vasallen: Die Saat der Slowaken von Unrecht und Recht Ist in das Schicksal des Juden gefallen. Von zweier Völker Not gequält, Doch nur von einer Sehnsucht beseelt, Lieder der Mägde — der Menschheit Geist: Die freie Erde, die du freist, Mein Volk! Aus: Der Bruder Sonka und die al[gemeine Sache A. Z. IDELSOHN: Zur Geschichte der Jüdischen l^lusiTs. A. Z. I cl e 1 s o hu — bis heute geschälzl durch seine hervorragenden Sammlungen orientalischer Musik1) — hat seine Forschungen nun zu einer Geschichte der Jüdischen Musik zusammengefaßt-), auf die Musiker und Laien schon lange mit Sehnsucht gewartet haben, die aber leider bis jetzt erst in englischer Sprache erschienen ist. Dieses Werk enthält eine glänzende Darstellung der Entwicklung der jüdischen Musik und ihrer musikalischen Elemente. Die Anordnung ist derart, daß die einzelnen Gebiete — der Synagogengesang, das Volkslied, die Interpretation — durch die verschiedeneu Zeiten und Länder verfolgt werden. Dlt Verfasser kommt zu dem Resultat, daß es einen besonderen jüdischen Musik-Typ gibt. Der erste Abschnitt des Vorworts deutet das Ziel an, das den Verfasser leitete. Es sei 'darum hier aus dem englischen Original wörtlich übersetzt: ,,Das Ziel dieses Buches ist, die Elemente und charakteristischen Merkmale der jüdischen Musik zu schildern und zu l) A. Z. Idelsohn: Hebräisch-Orientalischer }Ielodieneehatz, 5 Bände. (Benjamin Harz Verlag, Berlin—Wien). '-) A. Z. Idelsohn: Jewish. Music in its historical Development (Henry Holt and Company, New "York.;