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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 272

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Moses Applebaum
Date
1931-05-01
Page
Seite 272 (sequence 1)
Language
German
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212 MENORAH MOSES APPLEBÄUM Wenn es bei dem heutigen Stande der Entwicklung noch verfrüht erscheint, von einer jüdischen Kunst zu sprechen, so liegt das an der Untiefe der jüdischen Renaissancebewegung in den westlichen Ländern, am starken Aufgehen der Juden in den westlichen KuUuren, an ihren schwachen Fortschritten in der Besinnung auf Blut und Seele. Solche Besinnung, die von den besten Geistern des westlichen Judentums als sittliche Aufgabe empfunden wunde, war im Osten nicht notwendig; denn abgesehen von der noch so unerkennbaren Entwicklung im neuen Rußland, erwächst hier das Dasein und Schaffen des Einzelnen aus dem kräftigen breiten Lebensgrund der Gemeinschaft. Was etwa die Juden Polens in der jüngsten Zeit auch an bildender Kunst hervorgebracht haben, ist bei aller natürlichen Differenziertheit der einzelnen Leistungen aus gemeinsamer seelischer Tradition verständlich. Von jüdischer Kunst sind wir wohl noch weit entfernt; aber es giM eine estjindische Kunst. Einer ihrer charaktervollsten Träger war der Maler Moses Applebaum, der vor kurzem in Kattowitz gestorben ist. Wer sein Schallen kannte und von seinem Geiste berührt war. bedurfte nicht erst der Katastrophe seines Todes, um sich coram populo in jeder Tonn zu x4pplebaum zu bekennen. Denn seine Kunst war von reichem Können und übergroßem Wollen getrieben und es war ein vorbildliches Menschentum, das nach einem kaum lOjährigen Heldenleben unterging. Applebaum stammte von ganz armen Eltern aus Mszczonöw, einem typischen Judenstäxltchen in der Nähe von Warschau; von da trieb es ihn früh zur Kunst und in die Welt. An der Akademie in Liverpool erhielt er ohne Vorbildung einen Freiplatz, blieb aber innerlich frei und beschränkte sich auf die Erlernung des Erlernbaren; englische Züge wird man in seiner Kunst vergeblich suchen. In Liverpool und in London, wo auch Max Norckui herzhaft für ihn eintrat, fanden seine Ausstellungen gute, anregende Aufnahme unid aus dieser Zeit mag seine schwärmerische Dankbarkeit gegen England stammen, sein Glaube an den Charakter des Engländers, in dem er nach dem schmerzlichsten Zusammenstoß nicht wankend wurde. Ein Geistiger, der auch 1914 unentwegt menschheitlich dachte, ohne von der allgemeinen Gulheißung des Krieges infiziert zu sein, russischer Staatsbürger in England, der entweder in die russische oder in die britische Armee hätte eintreten müssen, verweigerte der Künstler den Kriegsdienst und unternahm einen qualvollen Hungerstreik, nach dem man ihn schließlich entließ, als man sah, daß er ernstlich bereit sei, lieber zu sterben als am Werk des Krieges mich nur mittelbar teilzunehmen. Obwohl seine Anerkennung in England wuchs, zog es ihn nach dem Kriege unwiderstehlich zu den Brüdern nach Polen. Er ließ sich freilich nicht in Warschau nieider, wohin gute Gefährten ihn riefen, sondern in Oberschlesien, an der Peripherie zwar des ostjüdischen Lebens, mit dem er verwachsen wrar und bleiben wollte, aber auch der eigenartigen Schönheit düstern Industriegeländes urud dem reinen Bilde clor Beskiden nahe. Künsller und Forscher zugleich, rang er hier unter schweren Entbehrungen um neue künstlerische Erkenntnisse. Die Spannung zwischen Geist und Natur. Idee und Wirklichkeit, deren sinnvolle Lösung dem Künstler schmerzlich und beglückend empfundener Lebensinhalt wird, war für Applebaum vor allem Formproblem. Schaute er die Welt in seinen Frühwerken noch als naiver Nachfolger der impressionistischen Sehweise an, die den drängenden Forscher in ihm unbefriedigt ließ, so führte ihn die Gewißheit eines latenten Formgesetzes in der Gestaltungsfülle der Welt über vielfache Experimente zu einer ganz persönlichen Aus- (Irucksweise, die den positiven Grundsätzen des Kubismus, wie sie schon durch Cezanne erfüllt waren, kongenial war. So wurde die Oberlläclie zur Funktion einer primären Grundgestalt, geometrisch einfache Plastizität schien einem Rhythmus gesteigerter, nahezu selbständig gewordener Flächen zugrunde zu liegen. Erst in der letzten Zeit wurde für Applebaum

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