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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 246

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Reisetagebuch aus Marokko
Date
1931-05-01
Page
Seite 246 (sequence 2)
Language
German
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24G MENORAH das Vorgebirge, wo Tarita weiß erglänzt, ist der genaue Punkt, an dem die Mauren landeten. Und da diese Landung eine bedeutende Tat war, beansprucht natürlich ein Jude den Ruhm, als erster den Fuß auf spanischen Boden gesetzt zu haben. Bei den zwei weiteren Eroberuiigszügen der Mauren zogen auch Juden mit. Und als die undankbaren Mauren ihnen in Spanien die Hölle heiß machten, fuhren sie wieder zurück. Bei solch einer Gelegenheit segelte auch Maimonides nach Marokko. — Und ihr seid noch immer seekrank, liebe Mitreisende? Ich fahre fort. Während der acht Jahrhunderte, da die Mauren in Spanien herrschten, llog jüdischer Handel zwischen Toledo und Timbuktu hin und her wie ein WcberschilTchen, wenigstens lange Zeiträume hindurch, wenn auch Pausen dazwischen kamen. Es läßt sich schwer ausmalen, wie zahlreich die jüdischen Handelsfahrer jener Zeit gewesen sein mögen. Schließlich kam die Vertreibung. Und in den letzten zweihundert Jahren — Aber meine Ermahnungen fruchteten nichts. Die Freunde schienen jede Erinnerung an die Ahnen mit dem Übrigen über Bord bebildert zu haben. JLJje Basteien Afrikas sliegen vor uns auf, blau und sandfarben, Kulisse auf Kulisse getürmt, eine Mauer zwischen zwei Welten, die keinen Weg zueinander suchen. Von den vielen lausenden von Touristen, die mit den bequemen Dampfern hier vorüberjagen, begierig, vor dem Sterben noch Neapel zu sehen, oder bei den Antipoden Enldeckergefühle zu genießen — von all den Tausenden weiß nur selten einer, daß liier im Bereich des Auges eine Gegend liegt, die keines Abendländers Fuß betritt. „Die Dschungel des Rowenzori", wo immer die sein mögen, sind ihnen bekannter als dieses so leicht erreichbare Mittelmeer gebiet. Für den eifersüchtigen Reisenden (eine seltene Spezies), der unbetretenes Gebiet mit derselben Liebe hegt wie ein Liebhaber eine zurückgezogen lebende Frau, ist das ja recht angenehm. Aber ich bin kein Fanatiker, ich verlange nicht grade Jungfräulichkeit, mir genügt es, wenn meine Geliebte sich in anständiger Gesellschaft bewegt. So flüstere ich denn hiemit würdigen Ohren die Adresse des fünfzehnten Jahrhunderts zu. X/ ruh am nächsten Morgen verließen wir unser Hotel am Meer, erkletterten einen Hügel, der ganz mit bunten europäischen Geschäftshäusern und Villen bedeckt ist, kreuzten den schlanken Schatten eines

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