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Menorah · 1931-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1931) · p. Seite 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1931)
Article
Pogrom
Date
1931-05-01
Page
Seite 222 (sequence 6)
Language
German
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222 MENORAH Der Rebbe liegt in der Stube. Die Malke brennt. Der Saum seines Kaftans brennt, über die Brust rieselt ein Blutstreifen. . . Draußen klirren Waffen. Die Trompete meldet: „Es brennt! Es brennt!4' Der Rebbe hört alles und sieht alles. Er kann sich aber nicht rühren. Malke weint wie im Traum. Das Weinen wird immer schwächer. Der Rebbe sieht sie nicht, weiß aber, daß sie tot ist. Erdrosselt! Verbrannt! Pessach . .. Des Rebben Kaftan brennt schon auf dem Rücken; die Beinkleider glimmen, aber er hört noch die Worte: „Es ist alles erlaubt! Raubt, plündert, mordet! Schändet, stehlt, tötet! Alles ist erlaubt! Strafe dem Verräter! Nieder mit den Juden! Befreit Rußland!" Eine Stimme kreischt: „Pogrom!4' Menschen rennen, das Feuer hat sie geweckt. Sie stieben nach allen Seiten. Die Türen geben den hämmernden Fäusten nach. Das Geschrei steigt gleich einer roten Flamme zum Himmel empor. „Pogrom!" Die Pferde wiehern auf dem Dorfplatz. Es wird geschossen. Gelächter. Flüche. Heulen der betrunkenen Menge. „Schlagt zu! Mordet! Jude schweig! Willst du schweigen, räudiger Hund! Befreit Rußland! Schlaget die Juden!" Es brennt auf allen Seiten. Über dem brennenden Dorfplatz laufen Kinder, sie weinen und lachen wie im Wahnsinn. „Oj, oj, oj! Oj, oj, oj!" ertönt das Wimmern der Menschen aus Hütten und Höfen. Der Oberst sitzt zu Pferd, schweigend mustert er die Tscherkessen. „Fünfundzwanzig der unsern wurden hier erschossen; die Hunde haben wahrscheinlich dabei gelacht. Den Janson haben sie beweint. Der Tscherkesse versteht sich auf Pogrom!" Und der Oberst wendet mit kurzer Bewegung das Pferd und reitet aus dem Dorf. Er ist allein und will sehen, ob die Sonne schon aufgeht. Hinter ihm brennt lichterloh das Dorf. Menschen sterben. Handwerk! Und Malke hat doch nicht getanzt, die jüdische Dirne! Und es gibt keine Rückkehr aus der Vergangenheit. Alles ist nichtig, das Leben ist nichtig; alles ist Schmutz, Lüge und Blödsinn. . ." Der Oberst saß bis zum Morgengrauen vor dem Dorf auf seinem Pferd. Bis zum Morgengrauen hörte man ringsum Weinen. Strohhütten brennen schnell, bis zum Sonnenaufgang war alles vollbracht. Nicht ein Stein blieb auf dem andern; so steht es geschrieben. Deutsch von Anna Aurednicek

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