Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ritter und Märtyrer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 216 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912912-2926729--10218-2926873- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
216 MENORAH von einem der Inquisitionsgerichte Portugals verbrannt worden wäre". „Im Gefängnis verständigte sie sich mit anderen Gefangenen .. . unter dem Namen der »Großen Taube4 . .. schickte Botschaften und empfing welche, und benutzte ohne die geringsten Skrupeln jedes Mittel, das sich bot . . . und sie riß Späße über die Sambenitos, die sie zu tragen haben würden, und sagte zu einigen anderen Jüdinnen, daß sie sich nichts daraus machen würde, wenn der ihre nicht mit Diamanten besetzt sein werde, aber daß sie gerne einen Rand aus gelbem Atlas hätte, denn da ihre Haut sehr weiß wäre, würde ihr das gut stehen . . . und sie verabredeten sich, daß sie alle um Sambenitos mit einem Rand ersuchen würden". Dona Biancas Hauptschuld jedoch, die schon alt und über diese Eitelkeiten erhaben war, war, daß alle ihre Töchter besonders gesetzestreue geheime Juden geheiratet hatten und sie war besonders stolz darauf, daß ihre zwei jüngsten Enkelinnen im Alter von 14 und 15 Jahren, deren große Schönheit besonders erwähnt wird, im selben Autodafe vor Gericht standen. Ihre Töchter scheinen sehr umworben gewesen zu sein. Die Berichte sind voll von den Bemerkungen, die sie fallen ließ, wenn man ihnen den Hof machte. Dona Bianca verlangte viel von ihren künftigen Schwiegersöhnen. Einer von ihnen, Don Nuno de Figueros, war „bekannt als witziger Kopf und Verfasser von Couplets. Er war groß in Schmähreden. So leistete er sich eines Tages, als er die Jüdinnen besuchte . . . und ein Bild von St. Laurentius an der Wand sah . . . die Bemerkung, . . . „daß der Heilige so lange geröstet worden wäre, daß der Rauch von seinem Bratenrost die Balken schwärzte". Aber Dona Bianca hatte ihre Einwände gegen diesen Mann, der von so gewinnendem Äußern und von so höflichem Benehmen war. Sie sagte, daß sie in ihrer Familie nicht gerne einen Mann sähe, der Jude sei und sich wie ein Ritter gäbe. Aus dem Amerikanischen des „Menorah Journal" (New York) von Dr. Nadja Stein.