Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1931)
- Article
- Ritter und Märtyrer
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 199 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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RITTER UND MÄRTYRER 199 Schwarz gehüllt zur Messe kamen und auf versteckten Wegen mit geheimen Botschaften für edle Jungfrauen dahinhuschten oder hinter geschlossenen Fenstern einheimische Kräuter brauten und dunkle Beschwörungen des Teufels und der Heiligen vollzogen — und inmitten dieser großen Menge die noch nicht entdeckten Wölfe. Die Zeremonie wurde mit einer Messe eröffnet und mit dem Eid des Vizekönigs, der als Vertreter der Staatsmacht drei Klauseln be schwor, ,,die Autorität des Inquisitionstribunals zu stützen, seinen Würdenträgern das zu geben, was ihnen kraft ihrer erhabenen und göttlichen Stellung gebührte, der Kirche und ihren Dienern die ihnen zukommenden Vorrechte zu sichern; jeden, den das Inquisitionsgericht verurteilen würde, auch seinerseits zu verurteilen, den Anordnungen des Tribunals zu gehorchen und seine Anweisungen getreulich auszuführen, mit Christi Hilfe und zum Ruhme Gottes und unserer heiligen Mutter, der Kirche." Die Glocken läuteten Amen und beklagten die große Zahl der verlorenen Seelen, die da standen, wo die Sitzreihen des Volkes aufhörten. Dann wurden die einzelnen Anklageschriften verlesen. Sie waren zumeist sehr lang gehalten und wurden langsam vorgebracht, teils um den Hof nicht zu ermüden, teils auch, weil man hoffte, daß unter dem Eindruck der ganzen Feierlichkeit einige der Verurteilten gestehen und Reue zeigen würden. Abend für Abend wurden während der Dauer des Autodafes die verstockten Sünder in ihren Zellen von Priestern besucht, von denen keiner weniger als zwei Fakultäten absolviert haben durfte. Denn sie mußten imstande sein, sich in eine theologische Auseinandersetzung mit den Gefangenen einzulassen, um die bösen Geister aus ihrer Seele auszutreiben. Mit der Folter pflegte man zu beginnen, sie gehörte zum ersten Teil der Einvernahme. Zuletzt versuchte man es mit Überredung. Bis zum Augenblick, da der Scheiterhaufen angezündet wurde, wurde der Gefangene ,,ermahnt, zu gestehen und zu bereuen". Tat er es, so wurde ihm vergeben, das heißt, daß er (oder sie) nur auf Erden die Flammenpein erleiden sollte. Folgendes Gnadenwunder ist von dem Bild der „Madonna der Verzeihung", das in der Kathedrale von Mexiko hängt, überliefert worden. Der unglückliche Simon Pereins, dessen Zugehörigkeit zum Judentum viel umstritten wurde, hatte das Bild gemalt. Als Beweis dafür, daß er Jude war, wurde die Bemerkung angeführt, für die er in den Kerker geworfen wurde. Er hatte geäußert, daß es ihm mehr Freude mache, die Reize einer Frau von Fleisch und Blut zu malen, als die unkörperliche Schönheit der Madonna. Im Gefängnis erkrankte