Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Lord Mechett
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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164 MENORAH Deutschland, durch Konzentration. Mond verweist vielfach auf das deutsche Vorbild. Er vereinigt vier große englische chemische Unternehmen, voran sein eigenes Werk, die Firma Brunner, Mond & Co. mit allen ihren Beteiligungen, dann die United Alkali Co., deren Leiter Sir Max Muspratt, ein Enkel des ersten Sodaindustriellen Englands ist. drittens die Nobel-Gruppe, die allein über 30 Gesellschaften verfügt, und schließlich den englischen Farbenkonzern der British Dyestufls Corporation. Das Arbeitsgebiet dieser vier Gesellschaften ist außerordentlich umfangreich. Sie fabrizieren Schwerchemikalien und Ammoniak, haben auch Einfluß in der Seifenindustrie, stellen Sprengstoffe her und produzieren Farben. Aber über die Nobel-Gruppe ge winnt man auch Einfluß in die Erzeugung von Metallen, Automobilen, Maschinen, Kunstseide usw. So wird in dem englischen Chemietrust, der den Namen Imperial Chemical Industries Ltd. erhält, ein Vertikal- und gleichzeitig ein Horizonlalkonzern aufgebaut. Mit zunächst 65 Millionen Pfund Kapital, die allmählich bis auf 95 Mil lionen Pfund erhöht werden, also mit einem Kapital von über 2 Milliarden Mark, steht diese Organisation an der Spitze aller Unternehmungen der Welt und übertrilTt bei weitem noch das Riesengebilde der deutschen I. G. Farbenindustrie. Der Schöpfer des Konzerns, Sir Alfred Mond, wird sein erster „Chairman". Aber damit ist die Tätigkeit dieses Industrieführers von höchstem Rang noch nicht erschöpft. Es gelingt ihm, den englischen Anthrazit- Kohlenbergbau zukartellieren. Er fusioniert die Mond-Nickel-Gesellschaft 1928 mit der International Nickel Company of New Jersey. Im gleichen Jahr gründet er in der Finance Company for Great Britian and America eine englisch-amerikanische Finanzierungsgesellschaft, die die Durchorganisation und Rationalisierung der englischen Industrie bezweckt, aber gleichzeitig auch eine besonders enge Verbindung zwischen den englischen und amerikanischen Wirtschaftsinteressen herbeiführen will. Mond schwebt wohl bei dieser Gründung eine gemeinsame angelsächsische Wirtschaftspolitik vor, die den Gedanken einer britischen Reichspolitik krönen soll. Der Großindustrielle Alfred Mond, der sich so als ein Mann mit weitem Blick gezeigt hat, beweist seine Voraussicht auch durch seine Einstellung zur Arbeiterschaft. Im klassischen Land der Gewerkschaftsbewegung hatte der große Bergarbeiterstreik bewiesen, daß trotz aller Anerkennung, die sich die Gewerkschaften als Pioniere der Arbeiteremanzipation in England längst errungen hatten, zwischen der Unternehmerschaft und dem Millionenheer der Arbeiter große unüberbrück-