Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Lord Mechett
- Date
- 1931-03-01
- Page
- 157 (sequence 1)
- Language
- German
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LORD MELCHETT Von Kurt Zielenziger England, das Mutterland der modernen Industrie, wird auch die erste Stätte der chemischen Fabrikation. Eisen und Kohle, Ausgangserzeugnisse der kapitalistischen Unternehmungen, werden die Grundpfeiler einer chemischen Produktion. In England entstehen um die Mitte des 18. Jahrhunderts die ersten Hochöfen, in denen Eisen mit Koks zum Schmelzen gebracht wird. Um 1785 führt Corts in die Eisenindustrie den Puddelprozeß ein und bald danach — 1792 — wendet Murdoch zuerst das aus der Kohle gewonnene Leuchtgas an. Von England aus hält es im 19. Jahrhundert seinen Siegeszug durch die Welt und ruft eine Revolution in der Beleuchtungstechnik hervor. Englische Gasgesellschaften erhalten in Deutschland überall die Konzessionen zur Beleuchtung der Städte. Aber den ersten Anstoß zur Entstehung einer che m i s c h e n Großindustrie gibt die Erfindung des Sodaverfahrens durch den Franzosen Nicolas Leblanc, das die Umwandlung von Kochsalz in Soda bezweckt. Die Wirren der franzosischen Revolution gestatten England, sich dieser Entdeckung zu bemächtigen. James Muspratt, ein Ire englischer Abstammung, führt zu Beginn des 19. Jahrhunderts das Leblanc-Verfahren in England ein. Der Schotte John Tennant beginnt mit einer bescheidenen Sodafabrikation, kaum 100 Tonnen jährlich. Erst von 1824 ab kann diese Methode in größerem Maßstab angewandt werden, nachdem die hohe Salzsteuer aufgehoben worden ist. So wird England der Ausgangspunkt der Alkalienerzeugung. Die Sodafabrikation ist die Quelle der Gewinnung vieler chemischer Nebenprodukte, die Veranlassung zur Entstehung neuer chemischer Fabrikationszweige geben. Vor allem fördert sie die Seifenherstellung, in der England noch heute eine führende Rolle spielt. Der nächste Schritt in der Produktion der Alkalien, das Ammoniak-Sodaverfahren, ist die Erfindung der beiden Engländer Davy und Hemming, wenn es auch — jetzt wendet sich das Geschick — erst auf dem Kontinent durch den Belgier Ernest Solvay seine praktische Anwendung findet. Durch die Erfindung der Bleikammern zur Schwefelsäureerzeugung, die zuerst Ende des 18. Jahrhunderts in Birmingham benutzt werden, wird England auch der Wegbahner für die unentbehrliche Säurefabrikation. Die Ausbeutung der spanischen Schwefelkieslager kommt diesem Zweig der chemischen Industrie zugute. In der anorganischen chemischen Industrie, im Handel mit chemischen Produkten ist England bis zur Mitte des 19. Jahr-