Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Die Kinder kommen heim ...
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 137 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE KINDER KOMMEN HEIM 137 „Ach nichts, Mutter.'* Perez bemühte sich, einen entschuldigenden Ton in seine Worte zu legen, damit er nicht kurz angebunden erscheine. Und er fing an, unter den Ablagerungen auf dem Koffer nach etwas zu suchen. Die Israels hatten nämlich alle die Gewohnheit, dort Kleidungsstücke und anderes zu deponieren, für das sich grade kein geeigneter Platz fand. „Was suchst du dort?" fragte die Mutter, durch sein Kramen gereizt. „Den gestrigen Tag?" Manche ihrer Fragen konnten nicht beantwortet werden, ebenso wie man von ihr oft keine Antwort bekommen konnte. „Wo ist mein Buch aus der Leihbibliothek?" fragte Perez trotzdem. Er erwartete gar nicht, eine vernünftige Antwort zu erhalten und fuhr fort, im Halbdunkel zu suchen. „Mich fragst du? Les' ich deine Bücher?" kam es verdrossen zurück. „Such' und du wirst finden." Nachdem sie ihm diesen vernünftigen, aber einigermaßen irritierenden Rat gegeben hatte, schlurfte sie den Korridor hinunter, wobei sie sich absichtlich recht mühsam und schwer schleppte. Sie sollten nur wissen, wie müde sie war, wie ihr jeder Knochen im Leibe weh tatl Aber was lag ihnen daran! Perez fand sein Buch, „Almayer's Folly" von Conrad, und er setzte sich an den Tisch beim Fenster, wo man grade noch genug Licht hatte, um lesen zu können. Der Tisch war mit grauem Linoleum bedeckt. Es stand allerlei Essen darauf herum, auch gebrauchtes Geschirr. Und Perez legte das Buch, ohne es zu merken, in einen kleinen See von unbestimmter Farbe. Die Seiten des Buches aus der Volksbibliothek, die in England nichts kostet, waren Zeugen dafür, daß es schon oft auf solchen Pulten geruht hatte. Frau Israel kam mit einem Brief in der Hand zurück. Perez blickte auf. „Wo war er?" fragte er, obzwar er es genau wußte. „Wo soll er gewesen sein?" fragte sie in ihrem aufreizenden Singsang zurück. „Im siebenten Himmel?" Der siebente Himmel nämlich war denkbar weitest von der Erde entfernt. „Komisch", murmelte Perez, während er den Brief nahm. „Ich habe ihn nicht gesehen." Der Postbote mußte dem Brief einen ordentlichen Stoß gegeben haben, so daß er weiter unter das Linoleum flog als gewöhnlich. „Hast Augen was sie haben!" rief Frau Israel aus. Dann ging sie zum Schrank, um einen Bückling für Perez zum Nachtmahl herauszu-