Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Aus dem Kunstleben
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 134 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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134 MENORAH Von der diäter ei In der Kunsthandlung Würthle, wo auch sonst moderne jüdische Künstler zur Darstellung ihrer Arbeiten kommen, sind nun die Kreidezeichnungen und Aquarelle von Anna Ticho zu sehen, die unlängst unsere Pariser Kollegin, Frau Aurelie Gottlieb, in ihrer feinsinnigen Art in diesen Blättern beschrieben und gewürdigt hat. Obwohl das Werk der genannten Künstlerin kaum zutreffender charakterisiert werden könnte, möchten wir auf Grund der Wiener Ausstellung einiges anmerken, was nun auch unseren Eindruck von der Sache kennzeichnet. Es ist — in den Landschaften und den figuralen Rötelstudien — ein bis ins Kleinste reeller Bericht aus Palästina, der im x\ufbau der Städtebilder selbst vor dem Kleinlichen nicht zurückscheut. Damit geht auch die Arbeitsweise, das partikelhafte Wesen der Faktur, das gerade Gegenteil von Freiheit zusammen. Aber schon hier wird eine topographische Exaktheit erreicht, die vor allem den ansprechen wird, der den sachlichen Reiz der alten Vogelfluchten — etwa das kartographische Produkt der alten Holländer — kennt und liebt. Anna Ticho wäre die berufene Person, diese sehr saubere und schöne, eindrucksvolle Art perspektivischer Darstellungen der Städte des heiligen Landes in großen Formaten zu erneuern. Sie würde damit dem Lande auf ihre Weise dienen und zugleich zeitgemäß bleiben. Denn die Karte kann ja eine künstlerische Besitznahme des Landes bedeuten und hat das einmal bedeutet: die Siege im Freiheitskampf der Holländer gegen die spanische Fremdherrschaft sind durch gewirkte Karten, im Gobelin, verherrlicht worden. Und Karten als Wandschmuck sind schon seit Jahren wieder modern. Schon in einigen dieser Städtebilder wird die Kreide mit leichter feinerer Empfindung geführt, im Zug der Atmosphäre auch schon ge wischt, und in dem ,,Friedhofshügele< ist ein neuer, freier Vortrag fast schon erreicht. Wieweit er sich mit der schlichten Absicht, die Charaktere des Landes treu aufzuzeichnen, also bei der Wahrnehmung zu bleiben, verträgt, läßt sich heute noch nicht sagen. Wohl aber, daß die Künstlerin in diesem entscheidenden Punkt ihrer Entwicklung steht. Denn das zeigen die Aquarelle, — alle malerisch, einige überraschend flüssig und fertig, andere von einer fliehenden, feinnervigen Art, die das Beste verspricht. Jedenfalls, schon wegen ihres sicheren, unmodischen Wesens — ein erfreulicher Gast aus Palästina, wo heute die Tüchtigen am meisten nottun. vf 17. 7 JYLax Jbis/er