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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Aus der Geschichte der jüdischen Frau
Date
1931-03-01
Page
119 (sequence 1)
Language
German
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AUS DER GESCHICHTE DER JÜDISCHEN FRAU Eine ungedruckte Einleitung zur neuen Ubersetzung der Frauen- Bibel von Berta Badt-Strauß Die Stellung der Frau bei den Juden war von alters her eine viel umstrittene Frage. Auf der einen Seite verleugnen bekanntlich die Überlieferlen Formen der Eheschließung und Ehescheidung nicht die Merkmale des Orients; ja, die scheinbare Minderwertigkeit der Frau wird hier sogar, wie es dein flüchtigen Beschauer dünken könnte, auf die wichtigste Sphäre des jüdischen Volkslebens, auf das religiöse Leben, übertragen. Dagegen aber erscheint gerade im Mittelpunkt der jüdischen Sitte das Loblied der Frau wie es König Salomo anstimmle: nicht umsonst preist der jüdische Hausvater im Augenblicke, da er nach den Mühen des Alltags zum erstenmal den Frieden des sabbatlichen Heims empfindet, alter Sitte gemäß in der Frau die Schöpferin und Erhalterin dieses Segens. — Ähnlichen Widerstreit der Meinunger. verraten uns die alten Quellen: während im Morgengebet der Spruch des Rabbi Meir doli dem Herrn im Namen des Mannes, der stolz sein jüdisches Pflichtenleben auf sich nimmt, dankt, daß er ihn nicht zum Weibe gemacht habe, rühmt ein andrer den Frauen tiefere Menschenkenntnis und gläubigere Frömmigkeit nach als den Männern. Die Sunamitin, die den Mann Gottes eher erkannte als ihr Gemahl, und die Töchter Zelat'chads, die um Erbbesitz im Heiligen Lande zu einer Zeit baten, da mancher ihrer Volksgenossen noch murrte und zwei Celle, werden als Eideshelferinnen dafür angeführt. Wie aber stimmt das miteinander? - Nichtachtung hier und Hochschätzung dort, Ausschließung vom Gemeindeleben hier und Anerkennung der besonderen religiösen Fähigkeiten der Frau dort? —- Schon diese Unstimmigkeit zwischen Sitte und Sittenlehrcrn mag uns zeigen, daß die scheinbare Nichtachtung der Frau keinesfalls auf Geringschätzung beruht, sondern auf der wohlerwogenen Loslösung der Frau vom Pllichlenkreise des Mannes in der Erkenntnis ihres Andersseins, die ja auch heut noch allen unsern Rel'ormvorschlägen zugrunde liegen muß. Kraft dieser Erkenntnis aber teilte man der Frau einen eigenen Pflichtenkreis zu, der für das Fortbestehen der Gesamtheit wahrlich nicht minder wichtig war als die Leistung des Mannes. Als Spiegel und zugleich Weiterbildung dieser alt jüdischen Erkenntnis vom Wesen der Frau erstand dann eine eigene Literaturgat-

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