Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 118 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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118 MENOHAH eines Nagara und anderer sefardischer Dichter singen lernte. Die leine Empfindung des gebildeten Romanen für geschlifrene Umgangsformen gaben dem Spaniolen gegenüber den Glaubensgenossen aus dem Norden und Osten ein Ubergewicht. Sie fühlten sich mit echt spanischem Stolz als adliges Element über andere Juden erhaben. Aus demspagnolischen Judentum gingen hervor Spinoza und Disraeli. Moses Montefiore und Cremieux. Herzl und Nord au, auch die Herkunft Dr. Jose! Blochs und anderer hervorragender Juden weist nach mündlichen Überlieferungen auf die Gärten der Hcsperiden hin. Die jüdische Geschichte in Spanien hört bekanntlich auch mit dem Jahre 1492 nicht auf. Ein gewisses Geheimjudentuiii hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten und die Geschichte der Inquisition ist zum großen Teil die Geschichte dieser Geheimjuden, deren Bedeutung für die Entwicklung des Landes sich in Einzelheiten, wTie bei den überseeischen Entdeckungen, nachweisen läßt. Die Blutmischung zwischen Alt- und jenen Neuchristen, besonders vor der Einführung der Inquisition, gibt uns gleichfalls ein Recht, die ,.cosas dEspana", die Geschichte Spaniens, zu einem ganz bescheidenen Teil auch auf jüdisches Konto zu buchen. Der wirtschaftliche Niedergang Spaniens ist jedenfalls mit der Katastrophe von 1492 in Verbindung zu bringen. Das Gold Amerikas und die Politik der spanischen Habsburger haben zwar Spanien eine Zeitlang zur Beherrscherin der Welt erhoben, in deren Ruhmesglanz die Kunst ihre höchsten Triumphe feierte. Aber die Entziehung des betriebsamen Wirtschaftsfaktors, den die Juden in Handel. Handwerk und Industrie bildeten, hat das Land eines tragenden Pfeilers beraubt, ohne den es seine Weltmachtstellung nicht behaupten konnte. Ziffernmäßig behandelt diesen Rückschritt infolge der Judenvertrei bung für die spanische Provinz Galicia eine Monographie, die auf Angaben aus dem 16. Jahrhundert fußt. Spanien wurde das Grabmal seiner einstigen Größe. Ganz abgesehen von dem rein kulturellen Verlust, den es durch die Verlreibung der Juden und 1610 die der Moriscos, der maurischen Bevölkerung, erlitten hat. Ohne Übertreibung darf man sagen: durch diese selbstmörderischen Akte einer Politik, die den Boden Spaniens von allem Makel unkirchlicher Gesinnung reinigen wollte, hat das Mittelalter bis auf die letzten Jahre sich in Spanien in Permanenz erklärt. Es begann in Spanien, als es im übrigen Europa enden wollte. (Ein weiterer Artikel folgt.) Reproduktionen nach Aufnahmen der Herren Dr. O. Deutschländer (Wien) und LGR Stern (Stuttgart).