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Menorah · 1931-03-01 · Heft 3-4 (März 1931) · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 3-4 (März 1931)
Article
Durch Spanien und Portugal
Date
1931-03-01
Page
Seite 114 (sequence 16)
Language
German
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114 ME N O RAH die Geschichte des Abfalles der Niederlande kennt, begreift meine Neugierde, wie wohl dieser Beichtvater des Herzogs von Alba aussehen möge. Nicht wenig überrascht war ich, als mir in seinem Heim dieser Beichtvater entgegentrat. Es ist der als Prähistoriker bekannte Universitätsprofessor Obermaier aus Regensburg, ein echter Bayer, mit dem ich sogleich in ein angeregtes wissenschaftliches Gespräch geriet. Zufällig hatte den Tag vor meiner Abreise auf meinem Schreibtische ein Werk von einem Obermaier aus meiner Bibliothek gelegen. Ein Mitglied meiner Familie fragte mich: „Wer ist dieser Obermaier?" Ich konnte keine Auskunft geben. Und als ich dies dem Herrn Professor in Madrid erzählte, antwortete er lächelnd: 5,Ich bin dieser Obermaier/' Das ist der Beichtvater des Herzogs von Alba. So gewinnen viele Menschen und Dinge, auch in Spanien, wenn man ihnen gegenübersteht, ein ganz anderes Aussehen, als man es sich vorgestellt hatte. WTie kam jene illustrierte Bibel in den Besitz des Herzogs von Alba? Im Frühling 1422 befand sich Don Luis de Guzman, der Hochmeister des Ritterordens von Calatrava. am königlichen Hofe in Toledo, als er hörte, daß sich in der ihm gehörenden Stadt Maqueda, was auch eine biblische Ortsbezeichnung ist und so viel wie Quemadero. Verbrennungsplatz, bedeutet, ein Rabbi namens Mose Arragel niedergelassen habe. Diese Nachricht kam ihm sehr gelegen. Er sehnte sich nach einer guten spanischen Bibelübersetzung, da die vorhandenen sehr fehlerhaft waren, und nach Erklärungen dunkler Bibelstellen. Hiezu sollte ihm der Rabbi verhelfen. Und nun beginnt zwischen dem Großmeister und dem Rabbiner ein Briefwechsel, aus jener Zeit einzig und für die Anschauungen beider Briefschreiber und ihrer Umgebung ungemein bezeichnend. Der Großmeister bittet in einem sehr höflichen Schreiben den Rabbiner, im Verein mit zwei ihm nahestehenden christlichen Theologen das gewünschte Werk auszuführen. Er will ihn in seinen persönlichen Dienst nehmen und reichlich belohnen. Der Rabbiner antwortet, bei all seiner Dienstwilligkeit könne er die Aufgabe nicht übernehmen. Die jüdische Auffassung der Bibel sei von der herkömmlichen christlichen gar zu wTeit entfernt, die sich an die Übersetzung des Hieronymus hält, während die Juden nur den authentischen hebräischen Urtext anerkennen. Auch halle er sich für einer solchen Aufgabe nicht würdig. Er schreibt: Die Juden Kastiliens waren zwar Krone und Diadem der ganzen jüdischen Diaspora, die weisesten und gelehrtesten unter ihren Glaubensgenossen, hervorragend durch Abstammung, Reichtum, Begabung und Wissen. Heute aber leben sie im Elend und nur ein Rest des Wissens hat sich erhalten. So wisse auch er, Arragel,

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