Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 108 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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108 MENORAH besonderem Interesse. Es ist die „Revista de la raca", die sich oft ausführlich mit der judenfrage in Spanien beschäftigt, und die Spagnolen zählen hier mit zur spanischen ,,racaki, was so viel wie Nation bedeutet, während rein spanische Rasse mit c a s t a, der reinblütige Spanier als castico bezeichnet wird. Bestätigen somit die Zeitungen den günstigen Eindruck, den man vom unmittelbaren Verkehr mit dem Volke gewinnt, so auch der Besuch des spanischen Theaters. Bedenkt man, daß noch Lope de Vega unter seinen zahllosen Dramen auch eines, übrigens eines seiner schlechtesten, dem blutrünstigen Rilualmordwahn gewidmet hat, der auch in Schaudergemälden in den Kirchen die Menge hetzte, und daß Calderon und andere spanische Dichter in ihren Werken die Greuel der Inquisition preisen, so fällt es angenehm auf, daß heute das spanische Theater von solchen Keimen frei ist. Vielleicht unter dem Einfluß der Diktatur, die in den sechs Jahren ihres Bestehens ein ganz neues Spanien geschaffen hat. Das gesellschaftliche Leben beginnt dort nach 10 Uhr, um halb 11 das Theater. Wie bei unseren Sommerbühnen stellt sich irgend eine Schauspielerin eine Truppe zusammen, die auch nach ihr benannt wird, und die in dem großen Bereich der spanischen Zunge Gastspiele gibt. Das Spanische ist ja heute, nächst dem Englischen, die am weitesten verbreitete europäische Sprache, die Muttersprache von 500 Millionen Menschen, in Ländern, die zumeist wie die großen südamerikanischen Freistaaten spanischer Provenienz zu den reichsten und blühendsten der Welt gehören. Wehmütig gedenkt der Spanier der Zeit, in der über dem Bereich seiner Herrschaft die Sonne nicht unterging. In Madrid und Barcelona werden nach diesen einstigen spanischen Kolonien Straßen benannt. In Madrid gibt es noch Parkanlagen, in denen einzelne Gänge diese Namen tragen. Die undankbaren Kinder sind von der Mutter abgefallen, so klagt eine Inschrift. Anderseits hat der spanische Klub in Buenos Aires die Hauptdaten der spanischen Geschichte an öffentlicher Stelle auf Azulejos sinnfällig lebendig erhalten. In letzter Zeit ist auch eine Annäherung der früheren südamerikanischen Kolonien an das Mutterland zu verzeichnen. Sie, die Auswüchse spanischer Kultur, wie den Stierkampf, ablehnen, bilden ja das Hinterland Spaniens, bisher meist in dem Sinne, daß eine ganz unverhältnismäßig hohe Auswanderung aus dem bisher so armen Mutterlande nach Übersee stattfand. Wie tief die „Tauromachia" in der Seele des Spaniers verankert ist, beweist am besten Goya. Als ich durch den Prado ging, fiel mir ein