Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 104 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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104 MENORAH von den Mauren zu den Christen gekommen. Die Sarazenen Spaniens beschämten ihre Gegner durch Züge echter Ritterlichkeit nicht minder häufig als die des Ostens, deren Schulbeispiel Saladin darstellt. Auch die Poesie der Troubadours hat hier ihren Ursprung. Unter ihnen bat sich nebenbei ein Jude Santob de Carrion, im 14. Jahrhundert, einen ähnlichen Namen erworben, wie unter den deutschen Minnesängern Süßkind von Trimberg. Es genügt, 1001 Nacht gelesen zu haben, um von dem Leben und Treiben in diesen Maurenstaaten eine Vorstellung zu gewinnen. Dabei blühte die Volkswirtschaft. Noch heute erinnert in dem jetzt zum Teil geradezu verkarsteten Lande, das seinem Flächen inhalte nach, statt der 22 bis 23 Millionen, die es heute beherbergt, die doppelte Anzahl sollte ernähren können, so manches an die einstige Blüte, an die maurische Kunst der Bewässerung, an Handel und Industrie, wie sie unter den betriebsamen Mauren geherrscht haben, derart, daß alle Welt von dem Reichtum ihrer Städte widerhallte und ihre Schiffe in allen Häfen geachtet waren, eine Blüte, an der auch hervorragend Juden teilhatten. Die Alhambra und der Generalife legen von dem Glanz der Maurenzeit ein beredtes Zeugnis ab, ebenso der Alcazar. das alte maurische Stadtkastell, das heute in so vielen Städten steht, die Gärten in Sevilla u. a. m. Am treuesten hat die Baukunst den maurischen Stil bewahrt. Das maurische Mosaik und die maurische Kachel, die Azulejo, sind bis weit nach Amerika gedrungen. Bis heute hat man das Geheimnis ihrer Technik, die schon aus dem alten Babylon stam men dürfte, nicht entdeckt. Ganz maurischen Charakter trägt noch heute das spanische Haus, besonders in Andalusien. Wie im Orient und zum Teil im alten Italien, bildet den Mittelpunkt des Hauses der Patio, der Hof, um den sich die Wohnräume zusammenschließen. Luft, Licht. Blumen, Palmen, bunte Wandbekleidung mit Fließen, alles das macht diese Patios, in die man von der Straße aus durch das Türgitter blicken kann, zu entzückenden Aufenthalten. Auch unter dem spanischen Ghetto muß man demnach etwas anderes verstehen, als unter den luft- und lichtlosen nordischen Judengassen. Hier konnte die heitere Kunst, hier die lichtvolle Wissenschaft gedeihen, die das spanische Judentum uns geschenkt hat. Unter diesem Himmel müssen, wenn hier Freiheit herrscht, die Musen gedeihen. Die gegenseitige Berührung der verschiedenen Kulturen wirkte geistanregend und — befruchtend. Wie in einem Spiegelbilde dieses Verhältnisses sehen wir im Hauptwerke Jehuda Halevis, dem Kusari, die Vertreter der verschiedenen Religionen vor dem Throne des Chasarenkönigs. Aber auch unter christlichen Herrschern fanden sich viele, die