Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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102 MENORAH mancn, vor allem die Westgoten, ins Land, die sich drei Jahrhunderte lang behaupteten, Von 711 bis 1492, also fast 800 Jahre, steht das Land nahezu ganz, später teilweise unter der Herrschaft der Mauren. Sie hat dem Lande und Volke einen Stempel aufgeprägt, der bis heute im verwischt geblieben ist. In Sprache und Schrifttum, in Landbau und Baukunst, in Sitte und Brauch lebt noch heute maurisches Erbe. Vom Bauern bis in den höchsten Adel hinauf erinnern unzählige Gesichter an den semitischen Typus, wie er besonders rein an zahlreichen Erscheinungen unter den spagnolischen Juden hervortritt. Nach alter Überlieferung der Spanier stammen sie vom Könige David ab, nach dessen Vorbild, dem Tanze vor der Bundeslade, noch heute in spanischen Kirchen getanzt wird. Die Andalusier führen ihre Herkunft auf die zehn Stämme zurück, die Nebukadnezar ins Exil geführt hat. Anderseits fand man Mauren, die in ihrem Äußeren nicht von Christen zu unterscheiden waren. Zur Erklärung braucht man nur an die zahlreichen Christinnen in den maurischen Harems zu denken. Als Ferdinand und Isabella, die „Reyes catholicos", die noch heute in Spanien in unzähligen Namen von Örtlichkeiten und Bauten fortleben, Granada, den letzten Stützpunkt des Maurentums, erobert hatten, lag ihnen natürlich viel daran, daß Maurenritter zu ihnen übergingen, das heißt zum Christentum übertraten. Im Generalife hängen auch die Bilder zweier Söhne des letzten Maurenkönigs Boabdil, von denen der eine Christ und daraufhin Statthalter wurde. Man hat von jeher be merkt, daß diese Mauren durchaus die Erscheinung europäischer Bitter haben. Ein Haus in Granada gehört noch heute den Pallavicinis, die Nachkommen Boabdils sind, wie ja jüdisches Blut bis in die xAdern der Habsburger gedrungen sein soll. Und bekannt ist ein Ausspruch Pombals, des Ministers Josefs IL von Portugal. Der König hatte befohlen, für Judenstämmlinge besondere Hüte einzuführen. Am nächsten Tage erschien Pombai mit drei Hutkartons zur Audienz und auf die Frage des Königs, was er damit wolle, antwortete der Minister: „Dies sind Judenhüte, wie Sire sie anbefohlen haben. Der eine ist für mich, der andere für seine Eminenz, den Herrn Großinquisitor." ,,Und der dritte?" fragt der König. „Der ist für Eure Majestät, wenn Sie sich zu bedecken wünschen." Das gleiche gilt natürlich auch für Spanien. Welchen unaustilgbaren Bodensatz der semitische Einschlag in der spanischen Kultur hinterlassen hat, erkennt man auf den ersten Blick. Wer Spanien bereist, muß bei einiger Kenntnis der Geschichte des Landes und im Anblick der Beste vergangener Größe vom rein mensch-