Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1931)
- Article
- Durch Spanien und Portugal
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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100 MEN ORAH parzer, auf Lope de Vega fußend, auf die Bühne gebracht hat. Der Gegenstand ist von spanischen Dichtern wiederholt bis ins 19. Jahrhundert hinein behandelt worden, soll aber nur auf einer Sage beruhen. Ähnlich wie bei Kasimir und Esterka, will man auch hier die Gunst, die Alfons VIII. von Kastilien den Juden erwies, auf seine Liebschaft mit einer schönen Jüdin zurückführen. „Wer den Dichter will verstehen, muß in Dichters Lande gehen.t; Um das Aufblühen der jüdischen Wissenschaft und Kunst in Spanien zu begreifen, ebenso aber auch den Niedergang des spanischen Judentums und besonders die Grausamkeiten der Inquisition, muß man Land und Leute, Kunst und Philosophie, Religion und Politik an Ort und Stelle studieren, zumal es wohl kaum ein zweites Land gibt, in dem sich nationale Überlieferungen so zäh erhalten haben, wie in Spanien. Nirgends sonst ragt die älteste Vergangenheit so in die lebendige Gegenwart hinein. Man nennt Spanien das Land des Weins und der Gesänge. Doch sieht man dort keinen Betrunkenen, man hört kein weinseliges Lärmen. Auch hat Spanien bis heute keine stehende Oper. Was das Volk singt, erinnert, besonders im Ton, an geläufige jüdische Melodien. Unverändert hat sich bis heut erhalten der spanische Volkscharakter in seinen guten Seiten und Sitten, ungebrochen und unumschränkt die Macht der Kirche, — rätselhaft für den Fremden, wie von jeher, die Leidenschaft des Spaniers für die Corrida, den Stierkampf Wie man dort die verschiedenen Stile der Kunst, vor allem der Baukunst, besser studieren kann, als sonst irgendwo, so auch den Geist der verschiedensten Völker und Kulturen. Spanien, in dem, die amerikanischen Beziehungen miteingerechnet, vier Weltteile zusammentrafen, ist das lehrreichste historische Museum, ein Museum unter freiem Himmel. Wie in Deutschland Rothenburg und Dinkelsbühl, so haben sich in Spanien ganze Städte aus dem frühen Mittelalter getreu erhalten, so Toledo. Plasentia, die Alhambra in Granada. Remda u. a. Von der Urbevölkerung, den Iberern, einem hamitischen Stamme, der aus Nordafrika nach Spanien und Südfrankreich gekommen war und dessen Sprache nebenbei auch im Talmud erwähnt wird. ist. außer einer Menge von Altertümern und Städtenamen, wahrscheinlich ein Rest geblieben in den Mauern von Tarragona. Im Südwesten gründeten sie Tartessus, das biblische Tarschisch. das seit 1923 von Prof. Schulten aus Jena ausgegraben wird, und dessen Name in dem der Stadt Tarsis fortlebt. An die Phöniker erinnern die Namen ihrer Gründungen Cadiz, phönikisch Gadir, das heißt Festung, und Malaga, phönikisch Malaka von malach, „salzen", die Stadt der gesalzenen