Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Emma Dessau-Goitein
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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90 MENORAH zen Studienzeit sich unvergeßlich in ihre Erinnerung eingeprägt hat. Da ist das Portrait des Oberrabbiners von Florenz, Dr. Margulies, des Dr. Samuel Dessau aus Fürlh, und da sind vor allem zwei Aufträge aus allerletzter Zeit, der Grande Ufficiale Professor Gesare Agostini und 'der Advokat Wladimiro Babucci, ein warmer Freund der Kunst und tatkräftiger Förderer unserer Künstlerin. Man möchte diese beiden höchst lebendigen, charakteristischen, im besten Sinn modernen Bikinisse als ein gutes Vorzeichen nehmen, als Beginn einer neuen Epoche, die Emma Dessau dem Ideal ihrer Jugend und ihres ganzen Lebens immer näher führt, und ihr, der rastlos Strebenden, immer mehr Gelegenheit bieten möge, ihr reifes Können intensiv auf dem Gebiete der Portraitmalerei zu entfalten. Rahel Wolff Uraufführung einer Lehrhantate im Jüdischen Lehrhaus J^Iannheim Ein Ereignis für das jüdische wie musikalisch interessierte Mannheim war die Uraufführung der Lehrkantate „Licht und V o 1 k", die als erste große künstlerische Veranstaltung des Jüdischen Lehrhauses Mannheim in einem der größten hiesigen Säle, dem 1800 Personen fassenden, bis zum letzten Platz besetzten Musensaal, stattfand. Von Rabbiner Dr. Max Grünewald textlich und von Kantor Hugo Adler, einem Schüler Ernst Toch's musikalisch geschaffen, ist sie ein über das Hindemith-Brechtsche Lehrstück hinausgehendes Geineinschaftskunstwerk: für die Gemeinschaft geschaffen, von ihr in gemeinsam hingebenider Arbeit zu packendem Leben erweckt. In gehobener, dichterisch fesselnder Sprache behandelt Grünewald in den sieben Teilen der Dichtung Abschnitte aus der Geschichte der Makkiibäer. Wie er dichterisch, so geht auch die Musik Hugo Adlers, dessen Opus 12 die Lehrkantate ist, in dieser Komposition für Singchöre, Spreohchor und Instrumente, darunter zwei Klaviere, völlig neue, zumeist fesselnde Wege. Nicht nur in der musikalischen Illustration des Gesprochenen, im Wechsel von Sing- und Sprechchor,, in der häufigen Verwendung der Fuge, sondern auch im Instrumentalkörper, wobei er sich oftmals charakteristischer atonaler Mittel bedient. Um so harmonischer und eindrucksvoller sticht dann, wie zum Beispiel im „Psalm der Heimkehrer", hievon der übrigens ausgezeichnet gesungene Solo-Alt ab. Höhepunkte der Kantate, deren Chor- und Instrumentalkörper je nach den Aufführungsmöglichkeiten auch kleiner sein kann, sind der dritte Teil mit dem-Staccalo-Ghor „WTiir wachen, wir wrachen", der ebenso melodiös wie stimmungstief ist, und der fünfte mit dem musikalisch großlinig gestalteten Schluß-Zwiegespräch zwischen Syrer und Jude, während der vorangehende „Traum des Antiochus" dagegen in der Wirkung etwas zurücktritt. Gipfel des Ganzen ist zweifellos der Schluß, der in der Vereinigung von Singchor, Orgel und machtvoll dazwischen greifendem Sprechchor „W'ir brennen und verbrennen nicht" von zwingender, triumphaler Wirkung ist. Was es bedeutet, ein derart anfordern n»gs reich es Werk in nur sechs Wochen Vorbereitung zumeist mit Laien einzustudieren, das weiß nur, wer diese Lehrkantate hörte. Wie Kapellmeister Max Sinzheim er dies bewältigte und wie er seine im Ganzen 250 Mitwirkenden zum Siege führte, wTar eine künstlerische Tat imalltäglkhster Prägung. Ein nicht nur äußerlich, nein, auch innerlich großer Erfolg, nach dem man den ferneren Kompositionen Hugo Adlers mit gesteigertem Interesse entgegensieht. Kurt Sonnemann BERICHTIGUNG: In L. Sclieinhaus' Aufsatz „Zu I. L. Gordons 100. Geburtstag" im Heft 11/12 (1930) hat sich ein Irrtum eingeschlichen. Die „Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter »den Juden Rußlands" ist 1863 entstanden. Gordon ist zum Schriftleiter des Sekretariats Anfang 1872 berufen worden. Nadh Unterbrechung durch 120tägige Verbannung infolge gewissenloser Denunziation im Jahre 1879 ist Gordon auf seinen Posten in der Aufklärungsgesellschaft nicht mehr zurückgekehrt. Die Red.