Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Emma Dessau-Goitein
- Date
- 1931-01-01
- Page
- 89 (sequence 1)
- Language
- German
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Emma Dessau-Goitein Fern im Süden, in der alten, stillen Universitätsstadt Perugia, lebt und arbeitet eine jüdische Künstlerin. In Deutschland geboren, jedoch seit Beginn des Jahrhunderts durch Heirat mit dem Universitätsprofessor Bernartdo Dessau in Italien allmählich heimisch geworden, erfreut sich Emma Dessau- Goitein dort als Malerin großer Hochschätzung. Das Lebenswerk vonEmma Dessau-Goitein liegt nicht abgeschlossen vor uns, es ist in starker Entwicklung begriffen. Immer hat die Kunst eine überragende Rolle in diesem Leben gespielt. „Daß ich Malerin werden wolle, wußte ich schon vor meinem achten Lebensjahre; mit vierzehn Jahren stand es in mir fest, daß ich Portrailmalerin werden wolle." Emma Dessau hat als Kunstgewerblerin begonnen. Früh zu erringende Selbständigkeit mußte ein ausschlaggebender Faktor bei der Berufswahl sein. Sie trieb ihre ersten rein künstlerischen Studien in der Portraitklasse der Malerinnenschule in ihrer Heimatstadt Karlsruhe, sie arbeitete später in der Hcrkomer-Schule in Bushey nahe bei London. Aber das Beste errang sie sich selbst in unermüdlichem Streben, in nieversagendem Bemühen um autodidaktische Fortbildung, in strenger Kritik an der eigenen Leistung. Die Erkenntnis, daß es ihr an technischem Können mangele, daß ihre Lehrer ihr nur unzureichende „handwerkliche Schulung gegeben haben, die", wie sie selbst sagt, „doch das Einzige ist, was man von der Kunst lehren und lernen kann", das war die erste niederdrückende Frucht selbständiger Arbeit im eigenen Atelier. Die Erkenntnis wandelte sich zur Quelle neuer Kräfte, setzte sich um in zähe ausdauernde Studien. Vorübergehende Aufenthalte in deutschen Kunststätten wurden Marksteine der Entwickelung; keine äußere Möglichkeit der Vervollkommnung blieb ungenutzt, handelte es sich um Aneignung neuer Techniken, Erlernung des Holzschnittes, um Schulung durch Kopieren der alten Meister in der Münchner Pinakothek, um Korrekturen durch anerkannte deutsche Meister, um Aktmalen im Freien in Hans Lietzmanns Aktschule am Gardasee. Das erste Jahrzehnt unseres Jahrhunderts brachte die starke Neubelebiing der jahrhundertalten Sitte des Exlibris, des künstlerischen Buoheignerzeichens. Emma Dessau hat sich auf diesem Gebiete zierlicher Kleinkunst stark betätigt, ihre Blätter gefielen und wurden in steigendem Maße begehrt. Als bestes Blatt hat der langjährige, sachverständige Vorsitzende des deutschen Exlibris-Vereins, Waller von Zur Westen, den Farbenholzschnitt für Dr. Ludwig Franck bezeichnet, ihn in seiner Zeitschrift charakterisiert als „kräftiges, wirklich großzügiges, von echtem Pathos erfülltes Blatt". Daneben beschäftigte sich Emma Dessau mit größeren Kompositionen: Ölgemälde, wie „Trauer", „Herbst", ,, Mutter schaff, „Talmudschüler", wunden wiederholt ausgestellt, fanden sehr günstige Besprechungen in der italienischen, vereinzelt auch in der deutschen Presse. Alle tragen eine ernste, melancholische Note, die überhaupt ein Grundzug der Schöpfungen dieser Künstlerin zu sein scheint. Eine gewisse Sentimentalität der weiblichen Gestalten, gepaart mit einer gar zu großen Glätte der Pinselfiihrung entfremden einige dieser Sachen ein wenig unserer heutigen Geschmacksrichtung. Dagegen wird sich wohl niemand dem Reiz der entzückenden Kinderbildnisse, allen voran der „Kindheit" entziehen können, das in anmutiger Pose ihre beiden schönen Kinder im Glänze der umhrischen Landschaft wiedergibt. Als Höhepunkt ihres Schaffens sind jedoch wohl immer ihre Porlraitarbeiten anzusehen, da gelangt ihr Können zu schönster Entfaltung; man fühlt, hier gibt sie ihr bestes. Interessant die beiden Selbstportraits, die reine Profillinie des schon wiederholt in Blättern abgebildeten Portraits aus dem Jahre 1900 und das überaus sensible, ausdrucksvolle Bildnis aus dem Jahre 1918, im Hintergrund eine typisch italienische Landschaft am Gardasee, der seit der dort verbrachten kur-