Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Die Rache des Renegaten
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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88 MENORAH vergangenen und der künftigen. Schließlich hielten sie die Qlualen des fruchtlosen Wartens auf der sich nun gegen sie wendenden Lauer nicht mehr aus und stürzten in die Synagoge. Zwischen den leeren Bänken wandelte der alte, hinkende Jusik, polterte mit seinem Stock, summte, trällerte jüdische Gebetsmelodien vor sich her und blieb, wenn er in Eifer geriet, stehen, streckte die Hände gegen den Himmel und wackelte rasend mit dem Oberkörper, — nicht der ukrainische freie Bürger Jusik, ein richtiger Rabbiner. . . . Nach Ablauf von etwa 10 bis 15 Minuten war die ganze Schloß - straße Zeugin eines verblüffenden Schauspiels. Eine ganze Kompagnie ukrainischer Soldaten jagte den verprügelten, zerzausten Volksgenossen Jusik vor sich her und trieb ihn ohne Unterlaß, unermüdlich, mit Peitschen, graziösen Gerten, Ruten, Gewehrkolben an. Der alte Jusik humpelte, mühselig die Füße schleppend, und sang mit heiserer, versoffener, knarrender, schäbiger, unter den Schlägen aufkreischender Stimme: „Noch ist Ukraine nicht verloren .. Er sang auf Befehl des Unteroffiziers. Und nach Ablauf von zehn bis fünfzehn, für den rachsüchtigen Jusik mit schmachtender Erwartung erfüllten Wochen, leitete er zuerst die kotverspritzten und durch Fetzen entstellten Pferde des bolschewistischen Partisanentrupps zu dem Hof des Schindangers, gleichsam zum Häuten, worauf er in der gleichen stockfinsteren, schrecklichen Nacht Andrjucha und seine Kerle selbst zu dem an den Schindanger angrenzenden Friedhof von P. hinüberleitete. iVon dort eben stürzte in rasendem Wirbel die Andrjuchow'sche Horde in die Stadt. Marc Chagall I Nach dem Pogrom