Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2912821-2912908-2912910-2926235--09914-2926419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 81 breiten gedachten, waren mit einem Schlage dahin. Der grausame Tod hatte alles zerstört und vernichtet! Männer, Frauen und Kinder wehklagten über das schreckliche Unglück. Die ganze Nacht hindurch sprengten Reiter von Gruppe zu Gruppe und meldeten die traurige Botschalt. In aller Frühe versammelten sich die Kolonisten mit ihren Familien vor der Administration, und die Klage war fürchterlich. Die Luft schien sich zu teilen, und das umliegende Wäldchen gab schrecklichen Widerhall, der durch Mark und Bein ging. Erbitterung nahm von allen Besitz, ein rebellischer Zorn, der sich ins Herz fraß und nicht weichen wollte. Ein W a r u m? lag auf dem Munde aller. Entblößten Hauptes, bleich wie die Wand, erschien Lapin, das grauenhafte Telegramm in der Hand, und zitterte wie ein Blatt im Sturme. Hinter ihm stand Dr. Sonnenfeld, bedrückt, traurig und blaß und bemühte sich, sich zu beherrschen. Feinberg und Dr. Kessel badeten in Tränen gleich den Frauen. Erregt und mit bebender Stimme las uns Lapin das Telegramm vor, das ihm die Direktoren Casez und Hirsch geschickt hatten: ,,In tiefer Trauer melden wir Euch die erschütternde Nachricht, daß der Präsident unserer Gesellschaft (Die Ica), Baron de Hirsch, gestern, den 21. April, verschieden ist. Wir bitten die Kolonisten, nicht zu verzweifeln und die Arbeit fortzusetzen. Montag, den 27., wird die Beerdigung des Barons stattfinden. An diesem Tage hat die Arbeit zu ruhen. Alle Büros, alle Schulen müssen an diesem Tage geschlossen bleiben; in den Schulen haben an diesem Tage Trauerfeiern für die große Seele des Barons de Hirsch abgehalten zu werden/' Ein Strom von Tränen ergoß sich aus Lapins Augen, als er das Telegramm zu Ende gelesen hatte, er rang die Hände, und seiner Kehle entriß sich ein schmerzlicher Schrei. Die Administration wurde schwarz beflaggt, es wurde dunkel in unseren Herzen, und alle Hoffnungen waren zunichte. Samstag wurde Lapin telegraphisch nach Buenos Aires berufen, und wir blieben allein in unserem Schmerz. Der Tag der Trauerfeier, der 27. April, rückte heran. Ich will es mir ersparen, die herzzerreißenden Szenen zu schildern, die sich an jenem Tage in der Schule der Gruppe 49 abgespielt hatten. Dazu müßte man über die dichterische Kraft eines Jeremias, eines Rabbi Jehuda Halevi oder wenigstens eines Bialik verfügen. Oh, diese Ironie des Schicksals! Welch ein bitterer Sarkasmus! Monatelang hatte sich ein Knabenchor vorbereitet, den Baron mit