Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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76 MENORAH Schimmel. Die Hälfte dieser Felder befindet sich darum bereits in christlichen Händen. Hingegen ist Alice in jeder Hinsicht das Gegenteil. Hier sind die intellektuellen Kräfte, hier ist die Essenz von Mauricio konzentriert, Menschen mit einem weiten Blick auf das Leben, mit freier Gesinnung und die mehr Hirn als Herz haben. . .. Die BodenbeschafTenheit von Alice ist eine bedeutend bessere, die Ernte fiel in Alice immer reicher und größer aus. Hier gab es auch die besten Arbeiter, aber auch die feurigsten Rebellen. Den Mittelpunkt dieses Abschnittes bildete die Gruppe 69. Lapin nannte sie „Moskwa". Dort wohnten alle schärfsten Politiker. Jeder Aufruhr gegen die Administration ging nach den Plänen vonstatten, die in „Moskwa" aus geheckt wurden. Diese war die lebhafteste und schönste Gruppe der Kolonie. Alle ihre 15 Häuschen mit Rosafarbe getüncht, hatten unten einen schwarzen Streifen und blaue Kanten. Die Fenster waren grün gestrichen. Die Häuser bildeten zwei Reihen, das große weiß-blau gestrichene Haus in der Mitte diente als Schule und als Bethaus. JCLVIIL Wir erwarten den Baron Hirsch Ich weiß nicht, wer die Botschaft gebracht hatte. Das Gerücht verbreitete sich überall und drang uns tief ins Herz. ,,Der Baron kommt", ging es von Mund zu Mund. Jedes Kind, das nur sprechen konnte, verkündete die frohe Botschaft. „Er hat sich ein eigenes SchifT gekauft!" erzählte A. Pikeini, mitten in einer Gruppe von Kolonisten stehend. „Er hat die verbissensten Antisemiten von Europa eingeladen, er will für sechs Monate ihren Unterhalt bestreiten, unter der Bedingung, daß sie mit ihm nach Argentinien reisen, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, wie diese Wucherseelen, die Juden, den Boden aus eigener Kraft bearbeiten Der junge I. Dinietz stand zwischen vielen Fuhrwerken mitten auf der Straße, die nach Casarez führte, hielt den Peitschenstiel in der Hand und zeichnete irgend einen Bogen in den Sand. „Seht, Kolonisten!" rief er begeistert, „einen solchen Triumphbogen müßten wir über dem Tor von Mauricio errichten, um dem Baron den Empfang zu bereiten." Der Schächter Eisik Glasermann, ein gelehrter Talmudist und kluger Mann, hatte mit einem Chor einen neuen „Mi-schebejrach" einstudiert, den er zu Ehren des Barons verfaßt hatte. Die Delegierten-