Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 8)
- Language
- German
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70 MENORAH zahlt hat, ist er nicht Eigentümer des Bodens: er muß der Administration gehorchen und allen ihren Aufträgen nachkommen.'4 Die Verträge riefen einen förmlichen Aufruhr in der Kolonie hervor. „Wir werden sie nicht unterschreiben!" riefen alle einstimmig. ..Fünf Prozent? Ist es denn möglich, daß der Baron, der rettende Engel, sich von uns Zinsen zahlen lassen will? Worin besteht dann die Philanthropie? Es ist eine Lüge! Dieser Vertrag rührt nicht vom Baron Mosche Hirsch her! Es ist einfach ein Betrug der lokalen Beamten!" Es wurde eine Versammlung einberufen. Nach vierundzwanzigstündiger Beratung wurde einstimmig beschlossen, diese schändlichen Verträge nicht zu unterschreiben, auch wenn sich die Herren auf den Kopf stellten. Wir verständigten uns brieflich auch mit den Vorstehern der anderen Kolonien, hauptsächlich mit jenen aus der Provinz Entre Rios, die, gleich uns, gegen solche sklavenhaften Bedingungen protestierten; es wurde der Beschluß gefaßt, aus jeder Kolonie zwei Delegierte nach Buenos Aires zu entsenden, um die Angelegenheit mit der Direktion zu bereinigen. Am 12. Mai wurden Adolpho Reizen und ich als Delegierte von Mauricio nach Buenos Aires geschickt. Wir fanden bereits die Delegierten der anderen Kolonien vor und hatten bald darauf die erste Besprechung mit den Direktoren. S. Hirsch, ein strenger Herr, geriet bald in Harnisch.;,Wie ist das?" schrie er. „Steht Ihnen vielleicht das Recht zu, u n s Bedingungen zu stellen? Wollt Ihr Emigranten uns die Verträge diktieren?" Der zweite Direktor Casez, viel klüger als Hirsch, schwieg dazu. . . . Da er aber der jiddischen Sprache unkundig war, hatte ihm Hirsch den Inhalt unserer Forderungen ins Französische übersetzt. Ein Delegierter aus Entre-Rios, Herr Rappaport, der bereits des Spanischen mächtig war, hatte Casez unsere Bitte in spanischer Sprache dargelegt, die darin bestand, den Termin zu verlängern, uns die Zinsen nachzusehen und der Administration das Recht zu entziehen, einen rechtschaffenen Kolonisten auszuweisen. Es entspann sich eine hitzige Diskussion. Darauf rieb uns Hirsch unter die Nase, es nahe die Zeit, da die Administration das Saatgut für Weizen verteilen werde ... und er erinnerte uns auch daran, daß wir noch Unterstützung bezögen. . . . Hirsch Glas, ich glaube, er war Delegierter von Espindola, gab eine mutige, etwas gewagte Antwort: ,,Denken Sie, daß wir Sklaven