Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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68 MENORAH Die „Subsidien" müssen geregelt werden. Die Kolonisten treiben Geschäfte, Tauschhandel mit Ochsen und geben Geld darauf aus. .. . Zum Schachern haben sie Geld genug „ . . kaufen sich für den Sabbath Rosinen, Nüsse . . . und nun schreien diese Schamlosen, daß sie kein Brot haben! Wir hatten Gelegenheit, die Denunziationen des französischen Lumpen zu widerlegen, aber was sahen wir? Der Arme muß immer blechen. . . . Das Blut stieg uns vor Scham ins Gesicht. Und die Menge stand vor den Fenstern, fing Worte auf, winkte uns zu, drohte mit den Fäusten... . Die Nacht kam immer näher und näher, und die Zuträgereien und Denunziationen waren noch immer nicht zu Ende. Einer von uns mußte hinaus, um den Leuten zu melden, daß Brandes keinen zu Wort kommen lasse. Die Menge verlor die Geduld. Stimmen wurden laut, Fäuste sausten auf die Tür. Zornig wurde gefordert: „Der Antisemit soll verschwinden! Unsere Delegierten sollen den Direktor unter vier Augen sprechen!'' Als der Direktor den Lärm vernommen hatte, fragte er, warum die Leute nicht nach Hause gefahren seien und was sie vorhätten. Wir erklärten ihm in der Sprache, der „die Teufel von Beamten'' unkundig waren, die Leute forderten, daß Brandes bei den Verhandlungen nicht anwesend sein möge. Casez flüsterte Brandes etwas in französischer Sprache zu, das diesem das Blut ins Gesicht trieb. Er warf uns einen bösen Blick zu, nahm sein bekleckstes Buch und entfernte sich. Da wir mit dem Direktor alleingeblieben waren, konnten wir uns erst frei aussprechen. Wir wünschten von ihm, daß er den Auftrag der Ica vom 20. März, der die Kürzung der uns gewährten Begünstigungen und Subsidien beinhaltete, rückgängig mache. Wir verlangten auch eine Anleihe von je 200 Pesos für jeden der 148 Alleinstehenden, deren Angehörige laut telegraphischer Mitteilung am 25. April im Hafen von Buenos Aires eintreffen solLten. Es begann eine stürmische Diskussion, und sie dauerte bis spät in die Nacht hinein. Indessen bewölkte sich der Himmel, es donnerte und blitzte, und es goß wie aus Eimern. Die Menge belagerte die Fenster und wartete, vom Regen durchnäßt, auf das Resultat der Unterhandlungen. ,,Sagen Sie Ihren Leuten, sie mögen nach Hause fahren, um sich vor dem Regen zu schützen", empfahl uns Casez.