Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 9 (1931)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1931)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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64 MENORAH Wir hatten ihn sehr liebgewonnen. Er war von Natur aus ein guter Mensch und ein tüchtiger Arzt; zudem von hoher Bildung, ein scharfsinniger Talmudist und ein vielseitiger Gelehrter. Um den Kolonisten die Anpassung an das Land zu erleichtern, verfaßte er ein spanisch-jiddisches Lehrbuch; es ist derzeit bereits vergriffen und zählt zu den besten Lehrbüchern dieser Art. Wenn unser Herz voll ward, wandten wir uns an ihn um Hilfe: „Schreiben Sie an den Baron, Herr Doktor!" baten wir. „Schreiben Sie ihm die volle Wahrheit!" Und er dürfte unseren Wunsch erfüllt haben; der Beweis dafür: die Herrschaften suchten ihn um so rascher loszuwerden. . . . Sehr bald brach ein harter Kampf zwischen der Sanitätsverwaltung und der Administration aus. Es war immer die alte Geschichte: Forderte Dr. Wechsler ein Gespann an, um eine Wöchnerin zu besuchen, so ließ sich die Administration viel Zeit dazu. . . . Wechsler und Brandes führten lange Zeit einen Federkrieg. . . . Jeder von ihnen sandte seine Berichte, ohne Schonung für den Gegner, an das Hauptbüro in Buenos Aires, und, wie es noch jetzt geschieht, behielt immer der Administrator recht. Dr. Wechsler kehrte ihnen dann den Rücken und verließ seinen Posten. Er siedelte sich in einer deutschen Stadt an und spielte späterhin eine bedeutende Rolle in den wissenschaftlichen Kreisen Argentiniens. Eine Zeitlang blieben wir wieder ohne Arzt. JCLIV. Direktor Casez Die Osterfeiertage des Jahres 1894 standen vor der Türe. Als wir mit dem Mazzesbacken zu Ende waren, kam die Nachricht von der Ankunft des Dr. Casez. Die Kolonisten wurden durch Reiter verständigt, und alle bis auf den letzten Mann versammelten sich vor dem Administrationsgebäude. Eine dichtgefüllte Menschenmasse drängte sich durch die Bäume des Waldes, tobte, lärmte und gestikulierte mit den Händen. Unsere Delegierten, frisch gekämmt und gewaschen, wie es sich für Volksvertreter ziemte, standen nachdenklich, an den „Tränenzaun" gelehnt, starrten auf den Korridor des Büros, wo sich der hohe Herr befand, und übten wahrscheinlich die Rede ein, die sie vor ihm halten wollten. Endlich öffnete sich die Tür. Es erschien Brandes und meldete im Namen des Direktors: „Alle Leute können nach Hause fahren. Sie haben hier nichts zu suchen. Der Herr Direktor kann nicht mit jedem Einzelnen sprechen!