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Menorah · 1931-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1931) · p. 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
9 (1931)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1931)
Article
Das Recht auf Leben
Date
1931-01-01
Page
54 (sequence 1)
Language
German
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DAS RECHT AUF LEBEN Von E. Lubrany Nein, nicht der Tod an sich war uns schrecklich. Der Tod als Abschluß eines Lebens, eines vollen Lebens. Er gehörte schon seit langem mit in unsere kleine Gemeinschaft und wir kannten ihn von Angesicht zu Angesicht in vielerlei Gestalt. In Gestalt einer Kugel aus dem Hinterhalt in dunkler Nacht, auf einsamem Feld. In Gestalt des gelben Fiebers, das zäh zupackt, und nicht losläßt, bis der ganze Mensch — Körper und Seele — zerstört ist. In Gestalt von blinder Wut einer versklavten Menge, die an einer noch mehr versklavten und schwachen sich vergreift. In der Gestalt eines übermenschlichen Willens zum Formen, den die Seele nicht fassen kann und es deshalb vorzieht, ihn in Sublimat aufgehen zu lassen. Nein, nicht dieser Tod war uns schrecklich. Er schritt unter uns einher. Und würde man uns vor die Frage stellen: Welche Substanz es sei, die uns die Kraft gibt, uns in diese Einöde Gottes zu verpflanzen und krampfhaft zu versuchen, hier Wurzel zu schlagen, ob es die Substanz des Todes hinter und unter uns, oder die Substanz des Lebens vor uns sei — keiner von uns wäre imstande, eine klare, eindeutige Antwort darauf zu geben. Hatte uns nicht — im Unterbewußtsein — eine unermeßliche, schöpferische Verzweiflung hieher getrieben? Zweiundvierzig junge Menschen — von achtzehn bis dreißig Jahren — waren wir, als wir uns vor zwei Jahren in diesem äußersten Winkel Galiläas ansiedelten. Heute sind es nur noch sechzehn, die den mageren, steinigen Boden pflügen, trotz allem immer wieder noch pflügen. Der Rest ruht unter den kleinen Hügeln des Zypressenhaines — des einzigen grünen Punktes in dieser grauschwarzen Weite. Nein, nicht der Tod an sich war schrecklich. Schrecklich und widerwärtig ward er uns erst, nachdem er sich diesmal als zynischer Eindringling, als skrupelloser Schänder entpuppte. Der Sommer ging zu Ende. Man mußte bis zur herannahenden Regenzeit fieberhaft arbeiten. Galt es doch fünf Morgen neuen Bodens urbar zu machen. Das Fieber siedete bereits in unseren Knochen, die Augenlider waren bleiern, jede Berührung am bloßen Körper tat weh. Und doch wußte man an jedem Abend schicksalhaft klar: auch wenn du morgen 39° Temperatur haben solltest — du wirst dich doch hinter dem Pfluge schleppen, und die Gewißheit um diese Unabwendbarkeit

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